| SGB VIII - Online-Handbuch
herausgegeben von Ingeborg Becker-Textor und Martin R. Textor |
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| Gewaltpräventionsprojekt Ofterdingen
Friederike Gradel/Hans-Peter Menke/Christa Hintermair
Das im Folgenden vorstellte Projekt zur Gewaltprävention ist mittlerweile zum festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden. Das Besondere an dem nun entstandenen Netzwerk ist, dass vom Kindergarten bis zum Jugendhaus, von kirchlicher bis zur bürgerlichen Gemeinde, öffentliche und freie Träger an einem Tisch sitzen und gemeinsam an einer kinder-, jugend- und familienfreundlichen Gemeinde wirken. Der ursprüngliche Präventivgedanke hat somit planerische und gestalterische Kraft gewonnen und setzt sich nunmehr im "normalen" Alltagsleben der Gemeinde fort. Dauer des Projekts Beginn: März 1999 - vorläufiges Ende: Dez. 2001. Danach wurde das Thema fester Bestandteil in Kindergarten, Schule und Jugendarbeit. Es wurde mit Hilfe erarbeiteter Bausteine bedarfsorientiert weitergeführt. Der zentrale Bestandteil des Projekts, der sog. "Runde Tisch" wird auch nach Projektende als Austauschgremium fortgesetzt. Finanzierung Finanziert wird das Projekt vom Land Baden-Württemberg im Rahmen der "Förderung von Kooperationsprojekten von Schule und Jugendarbeit" sowie durch Mittel des Landesjugendplans und der Gemeinde Ofterdingen. Maßgebliche Unterstützung erhält das Projekt vom Förderverein des Jugendhauses, dem Freundeskreis Schule, vom Verein Hilfe zur Selbsthilfe/ Kompass sowie vom Landkreis Tübingen. Diese Förderung erfolgt vorwiegend durch kostenfreie Bereitstellung von Sach- und Personalleistungen bzw. ehrenamtliches Engagement. Die als gemeinnützig anerkannten Vereine stellen für flankierende und ergänzende Maßnahmen eigene Spendenmittel bzw. Einnahmen zur Verfügung. Der darüber hinaus notwendige finanzielle Aufwand beläuft sich z.Zt. auf 10.000,-- DM. Nicht enthalten sind Evaluation und Dokumentation. Zielsetzung Oberstes Ziel ist die Reduzierung von struktureller und personeller Gewalt im Leben des Ortes Ofterdingen durch Abbau von Aggressionspotentialen, bewussten Erwerb von konfliktmindernden Strategien und Verhaltensmustern sowie Erhalt und Ausbau sozial förderlicher und positiv wirkender Gegebenheiten im Lebensumfeld von Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Eine sinnvolle Gewaltprävention muss unserer Meinung nach zeitlich unbefristet und im Alltag verankert sein. Deshalb hat das Projekt eine Initialfunktion und soll nach seiner Implementierungsphase als normaler Bestandteil des Zusammenlebens in der Gemeinde und innerhalb ihrer Einrichtungen weitergeführt werden. Dafür werden derzeit einzelne Bausteine entwickelt, die dann bei Bedarf rasch und ohne große Aufwände zur Verfügung stehen. Diese Bausteine können auch von anderen Gemeinden und Einrichtungen abgefragt und verwendet werden. Eine Dokumentation mit Konzeptentwicklungen, Protokollen und Arbeitsmaterialien wird parallel zum Projektverlauf erstellt und liegt zum Abschluss des Projekts allen teilnehmenden Institutionen und Personen vor. Das Projekt wurde übrigens nicht deshalb in Ofterdingen angesiedelt, weil hier die Gewaltproblematik besonders hoch wäre, sondern weil die Voraussetzungen für ein Präventionsprojekt gegen Entwicklungen von Gewaltstrukturen in Ofterdingen besonders günstig sind. Das heißt, der hohe Anteil ehrenamtlich engagierter Bürger und Bürgerinnen, das Vorhandensein einer hauptamtlichen Fachkraft im Bereich Ortsjugendpflege, die Bereitschaft von Kindergärten und Schule zur Mitarbeit und Umsetzung von Projektbausteinen, die Offenheit der Gemeinde und vor allem auch die gut ausgebauten Vereinsstrukturen sind ideale Bedingungen für die modellhafte Erprobung eines Gewaltpräventionskonzeptes für Gemeinden ähnlicher Größe und Strukturen, wie sie im Landkreis Tübingen gegeben sind. Aktivitäten Schwerpunktfelder unserer Projektarbeit sind die Schule mit einzelne Klassen, der Freizeitbereich in Jugendhaus und Vereinen sowie die Kindergärten als erste Bildungs- und Erziehungseinrichtungen außerhalb Elternhaus und Familie. Ziel des Projektes ist die gegenseitige Abstimmung und Erarbeitung gemeinsamer Vorgehensweisen bei Gewalt von und gegen Kinder und Jugendliche. Dazu werden derzeit unterschiedliche Formen von Konfliktlösemodellen vorgestellt, erarbeitet und erprobt, um dann die jeweiligen Erfahrungen gemeinsam auszutauschen und auszuwerten. Bisherige Aktivitäten innerhalb des Projekts waren: Schule:
Jugendarbeit:
Kindergarten:
Gemeinsame Aktionen:
Fallzahlen Soweit sich die Aktivitäten nicht an eine spezifische Gruppe mit festen Teilnehmer/innen richtet (z.B. Schulaktivitäten), sind die Angebote grundsätzlich öffentlich. Die Gemeinde hat derzeit ca. 4.200 Einwohner/innen. Die Zahlen bei den bisherigen Veranstaltungen liegen bei jeweils 20 bis 100 Teilnehmer/innen. Personelle Strukturen Außer den bereits im Organisationsplan vorhandenen Personen sind keine zusätzlichen Kräfte bereitgestellt. Das Projekt ist bewusst auf die vorhandenen Personalressourcen ausgerichtet, da die angestrebte langfristige Weiterführung ebenfalls auf Synergieeffekten bereits vorhandener Einrichtungen und der engen Zusammenarbeit deren hauptamtlicher Fachkräfte beruhen wird. Für die Sicherung spezifischer Fachlichkeit und zur Erarbeitung der Bausteine werden Referenten und zeitlich befristete Honorarkräfte hinzugezogen. Maßgeblich lebt das Projekt jedoch durch das Engagement hauptamtlicher Fachkräfte in Kindergarten, Schule und Jugendarbeit und die Freiwilligenleistungen ehrenamtlich tätiger Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Ofterdingen.
Reichweite des Projekts Bisher in der Gemeinde Ofterdingen, allerdings mit zunehmend hoher Aufmerksamkeit in den angrenzenden Gemeinden des Landkreises Tübingen. Evaluation Findet nur intern und ohne jede wissenschaftliche Begleitung statt. Eine solche wäre wünschenswert, konnte bisher aus Kostengründen nicht realisiert werden. Positive und negative Erfahrungen Negativ (oder eher Schwierigkeiten, die zu überwinden waren oder sind):
Positiv:
Quelle Aus dem Referat zur Tagung "Warten, bis sie 14 sind...?" Chancen und Projekte der Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz. Potsdam - 13./14.07.2001 Autor/innen Friederike Gradel, Ortsjugendpflege Ofterdingen Kontaktadresse Bürgermeisteramt Ofterdingen |