SGB VIII - Online-Handbuch

herausgegeben von Ingeborg Becker-Textor und Martin R. Textor

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Neue Jugendhilfeformen im Kontext der Lebensweltorientierung: FSP Familienstabilisierungsprogramm

Klaus Römisch


Das FSP ist entstanden aus eigener Praxis in SPFH, langjähriger Supervisionsarbeit mit MitarbeiterInnen der SPFH und überraschenden Erkenntnissen in der Umsetzung des Familienaktivierungsprogrammes FAM als Transfer des Families First Programs aus Michigan. Zudem versuchen wir mit FSP, den "Geist" des KJHG, das die Hilfesuchenden wieder in den Mittelpunkt der Hilfe rückt und Selbstbestimmung, Eigenkontrolle und Lebensfeldbezug wieder zur Handlungsgröße verhilft, zum Leben zu erwecken.

Aus der Umsetzung des FAM entstand die einfache und doch so verblüffende Erkenntnis, dass die Zeitbegrenzung eines Hilfeansatzes eine hohe energetische Veränderungskraft in sich birgt und dass in einer den Hilfesuchenden akzeptierenden Grundhaltung, die eine weitest gehende Eigenbestimmung von Leben und Lebensqualität zu Grunde legt und an die Veränderungsmöglichkeiten von Menschen glaubt, ein sozialarbeiterisches Fundament zu sehen ist, das einen Paradigmenwechsel in der Hilfegestaltung ermöglicht.

Das Helfersyndrom, halb Ballast, halb Profession, kann sich auf der Basis zu einer zur Selbsthilfe anleitenden, professionellen Beraterqualität zur Hilfestellung entwickeln.

Professionalität schließt für die Kinder- und Jugendhilfe ein, sich selbst sowie ihr Klientel systemisch in übergreifenderen Kontexten zu sehen und damit verkürzte Blickwinkel und falsches Kontrollhandeln zu vermeiden. In einer komplexen Gesellschaft, die geprägt ist von Lebensformen- und Werterelativismus, in der traditionelle Beziehungsgefüge aufbrechen, große Teile der Bevölkerung unter einer "neuen Armut" materieller und ideeller Deprivation leiden, in der sich die Bezugsgrößen, die auf das eigene Leben Einfluss nehmen, global weiten und alles in Fluss geraten zu sein scheint, werden kollektive Suchprozesse ausgelöst, die zur Zeit die Frage nach dem "richtigen Leben" unbeantwortbar lassen.

Eine große Anzahl junger Menschen wird unter den gegebenen Umständen niemals in ihrem Leben einen Arbeitsplatz einnehmen, wie wir ihn seit Generationen als sinngebend und gesellschaftlich platzierend kennen. Arbeit als Tradition in Form der Normalerwerbsbiographie wird für große Bevölkerungsteile einfach verschwinden, unabhängig davon, ob die gesellschaftliche Definition ihrer selbst als "Arbeitsgesellschaft" fortbesteht. Wir werden die Sinnfrage generell deutlicher stellen müssen.

Sozialarbeit und in diesem Kontext Jugendhilfe wird sich daher in neuen Räumen zwischen tradierten und gesellschaftlich vornormierten Lebensentwürfen, die zur Sackgasse werden und neuen, größtenteils noch unbekannten Lebensideen bewegen müssen. Angesichts dieser Ausgangslage kann sie sich weder als Kontrollinstanz für Normanpassung gerieren in einem Moment, wo die Verinnerlichung dieser Normen in ihrer Umsetzung auf Barrieren stößt; noch kann sie sich von der prinzipiellen Reintegrationsforderung und -perspektive für ihre Klienten vollkommen verabschieden.

Auch auf diesem Hintergrund kommt dem KJHG eine neue Sinnhaftigkeit zu. Wir sind darauf angewiesen, dem Gespür und der Überlebenskraft der Hilfesuchenden partnerschaftlich zu vertrauen, was nicht heißt, Jugendliche in Hauptschulabschlusskursen zu qualifizierter Dauerarbeitslosigkeit und Ohnmächtigkeit zu führen.

Vorsichtig kristallisiert sich ein neues Jugendhilfedenken und eine neue Sozialarbeit heraus:

  • Neubesinnung auf das Gemeinwesen,
  • Arbeitslosenprojekte mit Sinngebung statt Qualifizierungsideologie,
  • Jugendhilfe als familienunterstützende Hilfe,
  • Vereine als Sozialisationskräfte anstatt Olympiakadern,
  • Ehrenamt als gesellschaftliche Kraft statt goldener Nadel,
  • Skater in rheinland-pfälzischen Kirchen,
  • Jugendhäuser an Bahnhöfen usw.

Vielleicht auch bald wieder Schulen als Orte zum Leben lernen.

Als ein Glied in einer neuen Jugendhilfe ist das FSP - Familienstabilisierungsprogramm zu verstehen. Wir gehen davon aus, dass jede Familie ihre eigene Vorstellung vom Leben entwickelt hat bzw. entwickeln muss und dass für das Gelingen jeglicher Sozialisationsprozesse Entwicklungslinien und Verwurzelungen nicht willkürlich gebrochen werden dürfen, sondern lediglich zeitweise unterstützt werden können, um danach wieder ihren Gesetzmäßigkeiten folgend neue Formen des Lebens bzw. Überlebens zu entwickeln. Unterstützung heißt dann, hinter den Hilfesuchenden zu bleiben, ihren Unterstützungsbedarf verstehen und akzeptieren lernen und sie zu kräftigen, indem nur soviel Hilfe wie wirklich benötigt angeboten wird.

Familien, die aus ihrem Gleichgewicht geraten sind, brauchen Stabilisierung. Aber weder der Drahtseilkünstler noch der Fahrradanfänger erreichen Stabilität, wenn sie sich auf die Helfer stützen (Erinnern Sie Ihren ersten Fahrradsturz?).

Entsprechend haben wir die Methodik und das Setting des FSP entwickelt, damit Familien in der Krise kurzfristig, ihren Zielen folgend, Unterstützung dabei erhalten, ihre eigene Stabilität zu finden und ohne overprotective Dauerhelfer zu bewahren. Der Ansatz ist deshalb zeitbegrenzt, erfolgskontrolliert und in den Zielen und den Hilfeformen durch die Familie bestimmt.

Wenn wir unterstützen wollen, müssen wir mit den Fähigkeiten und vorhandenen Ressourcen der Familienmitglieder zwingend notwendig arbeiten. Niemand stabilisiert sich aus seinen Defiziten heraus. FSP ist deshalb in allen Methoden vorrangig ressourcenorientiert und Kräfte vernetzend. Die zugrundeliegenden Denkansätze sind hier Insoo Kim Bergs Ressourcen- und Lösungsorientierung und Maja Heiners Selbstevaluation in der Selbstkontrolle für die Familien und der Vorwärtsorientierung im Evaluationsprozess.

Dem Familienaktivierungsmanagement FAM verdanken wir grundlegende Werte und Erfahrungen. FSP versteht sich vor allem als Folgemaßnahme des FAM, ist aber als eigenständige Hilfeform natürlich nicht zwingend an einen vorangegangenen FAM-Einsatz gebunden.

Familienstabilisierungsprogramm - FSP

Erich Klein/Klaus Römisch

Zielgruppe

Das Familienstabilisierungsprogramm richtet sich an Familien, die bei der Entwicklung und Förderung ihrer Kinder bzw. Jugendlichen in eine Krise geraten sind, die sie alleine mit den ihnen sonst zur Verfügung stehenden Mitteln z.Zt. nicht bewältigen können. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Eltern bereit sind, das Familiensystem im Fokus der inneren und äußeren Dynamik anzusehen und Veränderungen herbeizuführen (Rollen, Muster, Gefühls-, Denk- und Handlungsweisen). Dies sind: Familien, bei denen durch vorhergegangene Maßnahmen, wie z.B. FAM, SPFH oder elternorientierte Maßnahmen der stationären/teilstationären Jugendhilfe oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie Entwicklungen eingeleitet wurden, die stabilisiert werden sollen:

  • Familien, die lösungsorientierte Hilfen wollen.
  • Multiproblemfamilien, die weiterführende Hilfen brauchen, um spätere Krisen zu vermeiden.

Ziele

Die Ziele werden mit allen Familienmitgliedern entwickelt und mit dem Jugendamt abgestimmt. Es geht dabei grundsätzlich um die Verstärkung dessen, was die Familie als den Zusammenhalt positiv stabilisierend erlebt (Integrationsfähigkeit) und um die schrittweise Veränderung dessen, was als unzureichend und entwicklungshemmend erlebt wird. Die Ziele werden operationalisiert und im Hinblick auf die Erreichbarkeit im Einsatzzeitraum der Methode in Handlungsschritte gegliedert. Leitlinien in der Zielfindung sind:

  • Stabilisierung und Rekonstruktion der Familie
  • Stärkung der Elternkompetenz
  • Gestaltung von Entwicklungsräumen für die Kinder und Jugendlichen

Ein wesentliches Ziel ist die Vernetzung der Familienmitglieder im positiven Kraftfeld des Familiensystems und die Verankerung der Familie in unterstützende Strukturen professioneller Hilfen, aber auch vor allem in Freundeskreis, Nachbarschaft, Vereine, Selbsthilfegruppen u.a.

Für die Familienmitglieder muss das Erreichen der Ziele und die Effizienz der Interventionen kontrollierbar sein.

Rahmenbedingungen

Die Arbeit findet im Haushalt der Familie statt und bezieht das Gemeinwesen mit ein. Die Zeitdauer des Programms ist begrenzt, in der Regel auf max. 6 Monate. Die Zeitbegrenzung wird im Zielplangespräch festgelegt und orientiert sich an den gesteckten Zielen (max. 3) und an der Selbsteinschätzung der Familienmitglieder in Bezug auf die notwendigen Veränderungszeiten (max. 6 Monate). Diesem Zielplangespräch ist eine Woche FSP vorgeschaltet zur Klärung der Ziele und des Zeitbedarfs.

Die Zielsetzung, Zielerreichung und Programmdauer werden jeweils nach 28 Tagen überprüft und entsprechend den Fortschritten der Familie modifiziert. Das Programmende ist jeweils zu diesen Tagen möglich. Nach 6 Monaten kann das Programm in Absprache mit der Familie und dem Jugendamt bis zu 3-mal um jeweils 4 Wochen verlängert werden. Danach ist eine Überweisung in andere Hilfen zur zielgerichteten Weiterbearbeitung einzelner Themen möglich (Schuldnerberatung, Familientherapie, Einzeltherapie, Frühförderung, soziale Gruppenarbeit, Drogenberatung usw.).

Gleichzeitig zur individuellen Hilfe erhalten die erwachsenen Familienmitglieder die Möglichkeit, in einer fachlich betreuten Selbsthilfegruppe im lösungs- und ressourcenorientierten Kontakt und Austausch ihre Entwicklungsschritte zu vertiefen und zu verfestigen. Die Teilnahme an den Selbsthilfegruppen ist nicht zeitlich begrenzt.

Eine Wiederholung des Programms nach 6 Monaten Interimszeit ist denkbar.

Die wöchentliche Stundenintensität beträgt 10 Wochenstunden. Von einer Fachkraft können max. 4 Familien unterstützt werden.

Die Einsatzzeiten der FSP-MitarbeiterInnen richten sich nach den Erfordernissen der Familien und Effektivitätsgrundsätzen. Dabei gehen wir davon aus, dass Handlungsanleitung und Begleitung häufig wirksamer werden als korrigierende Handlungsnachbetrachtung. Darüber hinaus ist eine Notrufbereitschaft 24 Std./Tag übergreifend für alle FSP-Familien installiert, um in Kriseneskalationsfällen konfliktdämpfend Hilfestellung anbieten zu können.

Die notwendige wöchentliche Supervision findet im Wechsel von kollegialer Supervision und Fachsupervision statt.

Inhalte und Methodik

Inhalt der Arbeit mit den Familien ist das, was die Familie zur Bewältigung der ausgewiesenen Krise und zu entsprechenden Themen der Erziehung benötigt. Die Inhalte werden mit den Familienmitgliedern analog zu den Zielen entwickelt und mit dem Jugendamt abgestimmt.

In der Methodenauswahl sind die Ressourcenorientierung und Stärkeorientierung, das strukturierte und zielgerichtete Arbeiten, die Handlungsorientierung und der Netzwerkgedanke unabdingbares Entscheidungskriterium. In diesen Foci wird mit Methoden aus verschiedenen Therapierichtungen gearbeitet.

Zur Erfolgskontrolle wird die Methodik der Selbstevaluation nach M. Heiner der Familie an die Hand gegeben.

Qualifikation

FSP-MitarbeiterIn: Aufbauend auf eine mehrjährige Praxis in der Arbeit mit Familien sind ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen nach einer Zusatzausbildung berechtigt, als FSP MitarbeiterIn zu handeln. Diese Zusatzausbildung findet einsatzbegleitend statt. Sie umfasst 8 Einheiten à 4 Tage, jeweils Freitag bis Montag, und erstreckt sich über ein Jahr.

FSP-BeraterIn: Die FSP Beratung dient der Qualitätssicherung, der Qualitätskontrolle und der Reflexion der Programmumsetzung. Sie erfordert deshalb in FSP erfahrene BeraterInnen. Entsprechend wird aufbauend auf eigene FSP Erfahrung und einer Zusatzqualifikation in Beratung ein Ausbildungsteil in FSP spezifischer Beratung als 2 x 4-tägige Ausbildungseinheit angeboten. Darüber hinaus ist eine regelmäßige Kontrollsupervision in 2-monatigen Intervallen verpflichtend.

Mit den neuen Jugendhilfeformen im Kontext der Lebensweltorientierung, FAM und FSP, versuchen wir, durch die Entwicklung konkreter methodischer Hilfeansätze den notwendigen Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe auf einer handlungspragmatischen Ebene, vielleicht oder hoffentlich im Sinne einer systemischen Intervention, mit Leben zu füllen - wohlwissend, dass die Installation dieser zwei Ansätze alleine noch keine grundlegende Veränderung darstellt. Wenn es nicht gelingt, Jugendhilfe generell umzustrukturieren, sind diese neuen Ansätze nur Kaputtsparer für eine von vielen gewollte Reduzierung des Jugendhilfebudgets, weil Zeitbegrenzungen auch immer Finanzbegrenzungen zu ermöglichen scheinen.

Familien zielorientiert, zeitstrukturiert und entschieden zu helfen, ihre jeweilige Stabilität zu erlangen, bleibt fallzentriertes Arbeiten. Familien lebensweltorientiert zu helfen, verlangt darüber hinaus, Lebenswelten zu schaffen, in denen Familien und damit auch Kinder und Jugendliche Entfaltungsmöglichkeiten und Entwicklungschancen finden können. Durch zeitstrukturierte, in der Wirkung optimierte und mit den Ressourcen der Betroffenen arbeitende Hilfeformen lassen sich Finanzmittel freimachen, die bisher in stationären Hilfeformen gebunden waren. Bei Reinvestition dieser freigewordenen Gelder in das jeweilige Gemeinwesen entstehen Lebenswelten, die stabilisierend auf Familien wirken, öffentliche Finanzen beruhigen und somit ressourcenbefreiende Auswirkungen zeigen und damit auch in finanziell schwierigen Zeiten soziale Arbeit ermöglichen. Wir müssen die Spirale beenden, in der Jugendhilfegelder stationär gebunden werden und die für präventive Arbeit keine Spielräume mehr lässt.

In der Umsetzung bedeutet das,

  • dass wir Spiel- und Abenteuer- und damit Selbstfindungsräume für Kinder und Jugendliche schaffen müssen.
  • dass wir entstigmatisierte und entkommerzialisierte schulische Stütz- und Fördermaßnahmen aufbauen müssen (Hausaufgabenhilfen, Ganztagesschulen, betreute Grundschulen).
  • dass wir Jugendlichen sinngebende Aktivitätsräume erschließen müssen über Vereine und Kirchen, aber auch über lebens- und umweltnahe Parteiarbeit (Jugendparlamente, Umweltschutz jenseits von Waldaufräumaktionen usw.).
  • dass wir elternunterstützende Angebote aufbauen, die kindzentriert und nicht länger moralisch torpedierend wirken (Mittagstische für Kinder, betreute Grundschule, Tagesmütter, Horte, jugendgerechte Treffpunkte, Wochenend- und Ferienprogramme).
  • dass wir Arbeitslosen sinnstiftende und ehrwürdige Beschäftigungen aufbauen. Vielleicht können wir hier wieder modifiziert reimportieren, was wir als Entwicklungshilfeprojekte bereits erfunden haben.
  • dass wir Kindererziehung wieder als soziale Leistung anerkennen und Elternsein für Frauen und Männer wieder als ausreichend für einen ehrenwerten Platz in der Gesellschaft ausweisen.

Dazu brauchen wir neue sozialarbeiterische Profile:

  • Ressourcenmanager,
  • Innovationsförderer,
  • Mobilitätsförderer,
  • Netzwerktechniker,
  • Projektbudgetmanager,
  • Time Line Spezialisten,
  • Controller,

aber auch die Wiederentdeckung der sozialen Kraft von Laien. Wenn es uns nicht gelingt, die Brücken zwischen einer zunehmend sich verwissenschaftlichenden Sozialarbeit und dem gesunden sozialen Menschenverstand wieder zu schlagen, dann werden wir lediglich elitäre Jugendhilfe für einige wenige defizitär geoutete Kinder und Jugendliche oder Familien leisten können.

Wenn wir das Wissen, die Energie und die Akzeptanz vor Ort von MitbürgerInnen wieder wertschätzen können und diese Laien professionell, d.h. wissenschaftlich fundiert, sozialarbeiterisch orientiert, würdigend focusiert und wieder in der Freude darüber überflüssig zu werden, partnerschaftlich beraten und begleiten, dann haben wir ein neues altes Paradigma installiert, das sich wieder der alten Weisheit bedient: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.

Um "Dörfer" als Sozialisierungspartner gewinnen zu können, müssen wir die defizitorientierte Finanzierung der Jugendhilfe umbauen zu einer Ressourcenfinanzierung. Dabei wird es neben politischen Umdenkprozessen auch darauf ankommen, freie Träger in ihren Bestandsinteressen in der Weise zu unterstützen, dass sie in ihrer Umsatzorientierung nicht länger gefangen bleiben und frei werden, einen Umbau der Jugendhilfe im Sinne einer Ressourcenpflege voranzubringen. Sozialraumorientierte budgetierte trägerübergreifende Konzepte werden hier richtungsweisend Jugendhilfelandschaften verändern.

Eigentlich ist das alles nichts Neues. Viele dieser Ideen wurden schon lange gedacht. Einzelne Fragmente wurden schon in Handlung erfolgreich umgesetzt (vgl. z.B. die "Familien-, Ehe- und Lebensberatungsstelle" des Bürgerhauses Trier Nord). Der Wandel in der Jugendhilfe hat sich jedoch nicht durchgesetzt.

Das KJHG, die veränderte finanzielle Situation der öffentlichen Hand und die Basisverankerung systemischen Wissens bieten die Chance für a new life for a historic idea. Wenn es uns gelingt, neben neuen finanziellen und inhaltlichen Konzepten, handlungspragmatische Umsetzungsmodelle und zukunftsbefähigte SozialarbeiterInnen zu schaffen, dann haben wir dieses Mal eine realistische Chance, Jugendhilfe aus der verwahrenden, bestrafenden und kosmetischen Schmalspur zu einer sozialarbeiterischen, die Menschen stützenden und Lebensqualität verbessernden gesellschaftlichen Instanz herauszuheben.

Im Sinne der Handlungsorientierung haben wir Konzepte und Ausbildungscurricula geschaffen, die es interessierten öffentlichen und freien Trägern ermöglichen, die oben beschriebenen Wege ganzheitlich und fachlich fundiert einzuschlagen. Alle Konzepte werden auch in unserer Region durch die Stiftung Hospital St. Wendel selbst in Handlung umgesetzt bzw. ist die Umsetzung in konkreter Planung, so dass für die neuen Gedanken jeweils auch pragmatische erste Erfahrungen vorliegen.

Über GISA (Gesellschaft für innovative Sozialarbeit), einer Tochter der Stiftung Hospital St. Wendel, können die entsprechenden Konzeptionen und Curricula angefordert werden. Es liegen Konzeptionen vor zu den Themen:

  • FAM Familienaktivierungsmanagement
  • FSP Familienstabilisierungsprogramm
  • PEB Pflegeelternberatung (Laienqualifizierung)
  • BSJ budgetierte sozialraumorientierte Jugendhilfe

Entsprechende Weiterbildungen werde angeboten zur/zum

  • FAM-ArbeiterIn/FAM BeraterIn
  • FSP-MitarbeiterIn/FSP BeraterIn
  • PflegeelternberaterIn
  • SozialraumarbeiterIn

Literatur

Berg, Insoo Kim: Familien zusammenhalt(en), Dortmund 1992

Family Independence Agency, Michigan: Families Together: Building Solution Programs Standards

Forrester, Viviane: Der Terror der Ökonomie, Wien 1997

Heiner, Maja (Hrsg.): Qualitätsentwicklung durch Evaluation, Freiburg 1996

Klein, Erich/Römisch, Klaus: Familienaktivierungsmanagement FAM. Eine neue Methode in der Jugendhilfe, in: Unsere Jugend 3/1996: 116-119

dies.: Familienaktivierungsmanagement FAM. Erste praktische Erfahrungen der Umsetzung in Deutschland durch die Stiftung Hospital St. Wendel, in: Unsere Jugend 4/1997: 148-155

Ries, Heinz A.: Sozialpädagogische Familienhilfe als stadtteilbezogene Beratungseinrichtung auf ganzheitlicher Grundlage. DJI Arbeitspapier Nr. 5-111 95

Rothe, Marga: Sozialpädagogische Familien- und Erziehungshilfe: eine Handlungsanleitung, Stuttgart, Berlin, Köln 1994

Stehno, S.M.: Family-centered child welfare services: New life for an historic idea, in: Child Welfare 65: 231-240, 1986

Wulczyn, Fred H.: Child Welfare Reform, Managed Care, and Community Reinvestment in: Children and Their Families in Big Cities: Strategies for Service Reform (liegt in einer Übersetzung durch die Stiftung Hospital St. Wendel, Anne Schütz, vor)

Autor

Klaus Römisch, Sozialpädagoge, Supervisor (DGSv), systemischer Familientherapeut, Jugendhilfeleitung Stiftung Hospital St. Wendel, FAM Projektleitung, Geschäftsführung GISA GmbH St. Wendel

Adresse

Klaus Römisch
GISA gGmbH
Hospitalstr. 35-37
D-66606 St. Wendel
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Fax: +49 6851 9368-238
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