| SGB VIII - Online-Handbuch
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| Familienaktivierungsmanagement. Ein Bundesmodellprojekt und seine Folgen
GISA gGmbH
Hintergrundinformationen Über die Ausbildung durch amerikanische Trainer wurde im Rahmen des Bundesmodellprojektes "Modelle familienorientierter Erziehungshilfen in der Jugendhilfe" des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend und mit Unterstützung der saarländischen und rheinland-pfälzischen Landesregierungen die Umsetzung des families first programs in Deutschland unter dem Begriff FAM-Familienaktivierungsmanagement im September 1996 begonnen. Die Arbeit im Saarland und in Rheinland-Pfalz wurde während der dreijährigen Projektlaufzeit von der Planungsgruppe PETRA wissenschaftlich begleitet. PETRA begleitete im Rahmen dieses Bundesmodellprojektes auch zwei weitere Ansätze, IKIP von AGORA in Frankfurt und FAM - Familienaktivierung des Kinder- und Jugendhilfeverbundes Harburg des Landesbetriebes Erziehung und Berufsbildung Hamburg. Hierzu liegt eine Dokumentation der gesamten Auswertung, erstellt durch die Planungsgruppe PETRA vor (Modelle familienorientierter Hilfen zur Erziehung in der Jugendhilfe , Oberursel 3. und 4. November 1999, Tagungsdokumentation, Planungsgruppe PETRA e.V. Schlüchtern). FAM stellt eine sechswöchige Kriseninterventionsmaßnahme dar, die dann eingesetzt werden kann, wenn in einer Familie die Fremdunterbringung eines oder mehrer Kinder droht. Zielsetzung von FAM ist, die Motivationen und Ressourcen aller Beteiligten zum Erhalt der Familie zu eruieren und zu aktivieren. Die Zielerwartung zu Beginn des Modellprojekts lautete, auf Dauer möglichst in 25% aller Fälle eine Herausnahme der Kinder/ Jugendlichen aus ihren Familien zu verhindern und über eine teilstationäre Maßnahme der Familie die Hilfestellung zur weiteren Stabilisierung geben zu können" (Familienaktivierungsmanagement FAM, Erste praktische Erfahrungen der Umsetzung in Deutschland durch die Stiftung Hospital St. Wendel, Unsere Jugend 4/97, S. 154). Die Ergebnisse von PETRA anhand von 99 ausgewerteten Familienprozessen haben ergeben, dass "in 60% aller Familien, bei denen eine Fremdplatzierung bevorstand, eine solche nicht eingesetzt, sondern ambulante oder teilstationäre Angebote begonnen (wurden)" und dass diese untersuchten Familien im Untersuchungszeitraum stabil blieben. Die Übereinstimmung, die PETRA feststellen konnte in den positiven Bewertungen von Eltern, SozialarbeiterInnen der Jugendämter und der FAM-MitarbeiterInnen in den qualitativen Interviews in Bezug auf die Ergebnis- und Prozessqualität unterstützen das Zahlenmaterial. Bedingt durch seine hohe Konzepttreue zeichnet sich dieser Jugendhilfeansatz dadurch aus, dass er an allen Standorten eine hohe Erfolgsrate aufweist. Das erklärte Ziel, stationäre Unterbringung von Kindern aus Familien in Krisen zu verhindern, wird in allen Fällen und in allen Regionen mit über 60% erreicht. Bis heute wurde bundesweit in mehr als 300 Familien mit diesem Ansatz gearbeitet. Es hat sich gezeigt, dass das Konzept nicht an nationalen Grenzen bzw. Jugendhilfesystemen scheitert, sondern mit geringfügigen nationalen Anpassungen zuverlässig arbeitet. Allgemeine Zielsetzung Familienaktivierung in der Jugendhilfe ist nicht als ein spezielles Programm oder eine spezifische Methode zu verstehen, sondern vor allem als ein Denk- und Handlungssystem, aus dem heraus sich die verschiedensten Jugendhilfeansätze und Jugendhilfemethoden entwickeln lassen. Der Denk- und Handlungsansatz von FAM zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm psychologische und erziehungswissenschaftliche Modelle und Theorien unterschiedlicher Provenienz zu einer ganzheitlichen, die Motivations- und die Feldseite von Problemstellungen wahrnehmenden Sichtweise zusammengeschaut werden, und die Hypothesenbildung leiten, und dass darüber hinaus die gefassten Hypothesen von den betroffenen Menschen falsifiziert oder verifiziert werden müssen und können. Handlungsleitend in diesem Denksystem der Familienaktivierung ist, dass die Menschen, die Hilfe benötigen, in den Mittelpunkt der Hilfe gestellt werden. Die Betroffenen müssen die Möglichkeiten erhalten, selbst zu definieren, wie sie ihre Situation einschätzen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen und herausfinden und über welche Eigenkräfte sie verfügen, um die Dinge zu verändern. Dieser Haltung liegt auch die systemische Erkenntnis der grundsätzlichen Nichtinstruierbarkeit von Individuen zugrunde, die nicht gleichzusetzen ist mit der Unmöglichkeit, einem System zu mehr Erkenntnis über sich selbst und Handlungsfähigkeit zu verhelfen. Wenn über die Suche nach Ressourcenprofilen die Stärken des Einzelnen und die Möglichkeiten seines Lebensumfeldes als zentraler Bestandteil der Organisation von Hilfen aufgenommen wird, entsteht eine Chance, Hilfen an Menschen anzupassen und nicht Menschen in Hilfen einpassen zu müssen. FAM - families first program Deutschland Das FAM-Familienaktivierungsmanagement/ families first program Deutschland ist ein Angebot für Familien, die sich in einer schweren Krise befinden und in der ein oder mehrere Kinder/Jugendliche von einer Fremdunterbringung bedroht sind. FAM geht davon aus, dass Menschen besonders in Krisen zur Veränderung bereit sind. Über ein konsequentes methodisches Vorgehen, den absichernden Rahmen einer 24-Stunden-Erreichbarkeit und ein klares fachliches Unterstützungssystem für die FAM-Fachkräfte soll die Fremdplatzierung vermieden werden, sofern dies dem Wohl des Kindes dient. In einem 6-wöchigen Einsatz im Haushalt der Familie werden die Fähigkeiten und Stärken aller Familienmitglieder herausgearbeitet und genutzt, um gemeinsam neue Ziele zu definieren und einen Stabilisierungsprozess einzuleiten. Die Sicherheit der Kinder bzw. Jugendlichen steht dabei immer im Vordergrund. Die Familie wird in unterstützende Strukturen des Umfeldes eingebunden, die über die Zeit der FAM-Maßnahme hinaus Stabilität und Fortschritt gewährleisten. Eine weiterbegleitende Folgemaßnahme wird mit der Familie und dem Jugendamt gemeinsam geplant. Rahmenbedingungen:
Beeindruckt durch die amerikanischen Verfahren zur Qualitätssicherung, haben wir nach Wegen gesucht, wie wir unter deutschen Verhältnissen, hier insbesondere dezentrale Strukturen der Jugendhilfe, eine Qualitätssicherung aufbauen können, die sicherstellt, dass auch bei einer landesweiten Verbreitung die ursprüngliche Konzeptform in ihrer Wirkung erhalten bleiben kann. Dazu wurden 5 Säulen entwickelt:
Familienaktivierung überregional Der Gedanke der Familienaktivierung wurde vor über 10 Jahren in den USA bereits in methodische Konzepte gegossen und es wurden dort Programme entwickelt, die auf diesem Hintergrund mit Familien arbeiten. Eine Vorreiterrolle nimmt hier das BSI-Behavioral Science Institute in Seattle ein, mit dem von ihnen entwickelten "homebuilders-program". Mit einer ähnlichen Bedeutung auch für den europäischen Raum ist dann die Weiterentwicklung dieses Konzeptes zum "families-first-program" durch das Departement of Social Services in Michigan anzusehen. Inzwischen werden diese Konzepte des homebuilder-programs und des families-first-programs auch in verschiedenen europäischen Ländern mit einer sehr hohen Modelltreue in die Praxis umgesetzt. Damit ist erstmalig in Europa im Bereich der Jugendhilfe eine Hilfeform etabliert, die grenzüberschreitend eine qualitätsgesicherte und kontrollierte standardisierte Konzepttreue in der Verbreitung erhalten konnte. Zur Zeit wird das Programm eingesetzt in:
Ausbildung und Qualitätssicherung wird für den europäischen Raum durchgeführt und koordiniert:
In diesen beiden Ländern ist das Programm am weitesten verbreitet. In Holland unter dem Begriff families-first-program und in Deutschland als FAM-Familienaktivierungsmanagement/ families first program Deutschland. Neben diesem standardisierten Programm der Familienaktivierung entwickeln sich zur Zeit sowohl in Deutschland als auch in den anderen europäischen Ländern Konzepte der Familienerhaltung und der verstärkten ambulanten Versorgung von Familien. Mit dieser neuen Suchbewegung in der Jugendhilfe wird das Ziel verfolgt, Familien zusammenzuhalten, Kindern und Jugendlichen den schweren Eingriff einer stationären Maßnahme so weit als möglich zu ersparen, und es wird ein Umsteuerungsprozess zu einer ambulanten, präventiven Jugendhilfe angestrebt. Fortschreibung und Entwicklung durch den Dachverband. Bis heute wurde in Deutschland ein Netzwerk von z.Zt. 26 Einrichtungen aufgebaut, die diesen neuen Jugendhilfeansatz families first program/ FamilienAktivierungsManagement in ihrer Region in die Praxis umsetzen. Davon sind 16 Einrichtungen in einem Dachverband zusammengeschlossen, um die Qualitätsentwicklung und Qualitätskontrolle sowohl in der Ausbildung als auch in der praktischen Arbeit zu begleiten. Zur Zeit gibt es bundesweit 73 ausgebildete FAM-ArbeiterInnen. Davon haben sich 21 zur FAM-BeraterIn weiterqualifiziert. Der Dachverband wurde am 26. Mai 1998 in Münster gegründet. Die 12 Gründungsmitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich zusammengeschlossen, um die Entwicklung des FAM-Familienaktivierungsmanagement, seine Durchführung und die Qualitätssicherung zu fördern und zu begleiten. Durch die Ehrenmitgliedschaft seiner Direktorin Susan Kelly drückt sich die Verbundenheit des families first program of Michigan zum DV FAM/ffp Deutschland aus. Frau Insoo Kim Berg, Direktorin des Brief Family Therapy Center in Milwaukee, Wisconsin, die durch den in ihrem Institut entwickelten "Lösungsorientierten Ansatz" die Methode des families first program maßgeblich beeinflusst hat, unterstützt ebenfalls mit ihrer Mitgliedschaft das Engagement des Dachverbandes im Bereich der Familienaktivierung. Ausbildung Durch intensive Trainings- und Kooperationsmaßnahmen mit dem families first program of Michigan und dem BSI Behavioral Sciences Institute/ Homebuilders Seattle wurden die MitarbeiterInnen der Stiftung Hospital St. Wendel autorisiert, dieses Modell in Deutschland zu verbreiten und an die Notwendigkeiten des europäischen Kulturraumes zu adaptieren. In enger Abstimmung mit den amerikanischen KollegInnen hat die Stiftung Hospital St. Wendel ein Ausbildungs- und Qualitätssicherungskonzept für das families first program in Deutschland entwickelt. Im Namen des Dachverbandes FAM/ families first program Deutschland arbeiten zur Zeit 5 Ausbildungseinrichtungen, die nach einheitlichen Curricula und Qualitätsstandards in unterschiedlichen Regionen Deutschlands diese Weiterbildung für SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen anbieten.
Neben der arbeitsbegleitenden Ausbildung durch intensive Trainings - 39 Tage in 2 Jahren - werden die AusbildungsteilnehmerInnen in einer wöchentlichen Beratung durch qualifizierte und autorisierte FAM-BeraterInnen in ihrer inhaltlichen Arbeit begleitet. Dadurch wird sichergestellt, dass die hohe Effizienz, die dieses Kriseninterventionsmodell in sich birgt, von Anfang an auch von neuen FAM-ArbeiterInnen ausgeschöpft werden kann. Methodische Handreichung Die MitarbeiterInnen in FAM werden in ihrer Arbeit begleitet durch verschiedenste methodisch durchstrukturierte Arbeitshilfen, die es ihnen erleichtern, modellgetreu zu arbeiten. Durch die Standardisierung verschiedener Arbeitsschritte entsteht eine Orientierungshilfe, die auch in eskalierten Situationen für die SozialarbeiterInnen Orientierungshilfe und organisiertes Handeln ermöglicht. Als Beispiele stehen hierfür:
Dokumentation Um den Verlauf der Maßnahme für alle Betroffenen nachvollziehbar zu gestalten, werden in verschiedenen Arbeitsschritten Dokumentationen erstellt. Neben dem oben erwähnten Zielprotokoll gibt es zum Ende der vierten Woche eine schriftliche Zwischenauswertung, in der auch die möglichen Folgemaßnahmen bereits angedacht werden. Zum letzten Tag der sechsten Woche, also zum Ende der Maßnahme, liegt ein schriftlicher Gesamtbericht vor, der - von den Familien unterzeichnet - den Jugendämtern zur Verfügung gestellt wird. Evaluation Nach der 3-jährigen Projektbegleitung der FAM-Arbeit der Stiftung Hospital St. Wendel durch die Planungsgruppe PETRA wurde vom Jahr 2000 an vom bundesweiten Dachverband FAM an FOREG - Universität Trier - der Auftrag vergeben, eine in Deutschland flächendeckende wissenschaftliche Begleitung aufzubauen. Die ersten bundesweiten Evaluationsergebnisse liegen nun vor. Neben dieser wissenschaftlichen Begleitung erheben alle Einrichtungen, die mit FAM arbeiten, in sogenannten follow-ups nach 3 Monaten, 6 Monaten, einem Jahr, zwei Jahren und drei Jahren nach Beendigung der Maßnahme, ob die Familie noch zusammen lebt. In der konkreten Arbeit erhalten die Familien nach Ende der Maßnahme einen Bewertungsbogen, mit dem sie ihre Zufriedenheit mit der Hilfeleistung zum Ausdruck bringen können. Für die ASD-MitarbeiterInnen wurde ebenfalls ein entsprechender Auswertungsbogen entwickelt. Die aktuellste Evaluation der FAM-Arbeit des Jahres 2000 erbrachte für uns über die wissenschaftliche Einschätzung und den Modellvergleich hinausgehende qualitative Ergebnisse, die zur Weiterentwicklung der FAM-Arbeit genutzt werden können. So stellt es sich beispielsweise heraus, dass die Akzeptanz der FAM-Arbeit nach wie vor, ablesbar an der Streuung der Fallzahlen, regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, so dass hier nach Ursachen geforscht und die Kommunikation mit allen Beteiligten gesucht werden muss. Was die Familien selbst angeht, so entsprechen sie im Hinblick auf das Merkmal "Unvollkommenheit" dem gängigen Klischee (vorwiegend Alleinerziehenden- oder Patchwork-Familien), nicht jedoch im Hinblick auf das Merkmal sozioökonomischer Status, da sich auch Familien, bei denen Indikatoren der Schichtzugehörigkeit (Einkommen, Beruf, Bildung) nicht im unteren Bereich angesiedelt sind, unter dem FAM-Klientel befinden. In nahezu allen Familien, von denen ein Großteil auch bereits über Vorerfahrung mit verschiedenen professionellen Helfersystemen verfügte, war eine drohende oder bereits erfolgte Fremdunterbringung indiziert, das heißt auch, dass FAM in der Tat (und intendiert) unter hohem Belastungspotential aller Beteiligten durchgeführt wird. Als herausragendste (und offenkundigste) Krisenmerkmale werden Erziehungsprobleme in Verbindung mit einer Trennungs- oder Scheidungsproblematik benannt. In fast allen Fällen resultierte die FAM-Maßnahme in Folgemaßnahmen, an deren oberster Stelle familienorientierte Hilfen stehen (im Gegensatz zu den Vormaßnahmen, in denen diese eine eher untergeordnete Rolle spielten). In 82,5% konnten die Kinder weiter in der Familie verbleiben, womit das selbst gesteckte FAM-Ziel zunächst überwältigend erreicht ist. Trotz dieses schmeichelhaften Ergebnisses der aktuellen Evaluation bleibt die Frage der Nachhaltigkeit der Hilfe, die durch FAM gegeben wird, zunächst noch offen. Eine Beurteilung der Ziel- und Passgenauigkeit der Vernetzung von Familien in nicht-professionelle und professionelle Hilfssysteme kann valide erst durch die Längsschnitt-Ergebnisse der Follow-Ups bestätigt werden. Weitere Entwicklungen Familienaktivierung als Denk- und Handlungssystem hat an verschiedenen Orten in Deutschland methodische Ansätze der Familienaktivierung hervorgebracht. Die exotische exponierte Stellung von FAM zu Beginn des Modellprojektes hat sich dadurch weitgehend relativiert. In vielen Kommunen ist dieser Ansatz oder andere, die im selben Geist und damit auch in einer vergleichbaren Methodik arbeiten, zum Regelangebot in der Jugendhilfe geworden. Im Saarland wurde das FAM über die saarländische Entgeltkommission in seiner Leistungsbeschreibung und in seinen Entgelten bereits 1999 genehmigt. In unserer Einrichtung wurden die Beeinflussungen durch FAM umgesetzt in der Neukonzeption der Sozialpädagogischen Familienhilfe unter dem Begriff FSP-Familienstabilisierungsprogramm, einem auf 6 Monate Maßnahmedauer angelegter Hilfe mit 10 Std./Woche. Alle 4 Wochen findet verbindlich eine Zielkontrolle und neue Zielkontraktarbeit statt. Unserer Erfahrungen nach inzwischen 40 FSP-Familien ergeben eine durchschnittliche Maßnahmedauer von 3,9 Monaten. Nach Beendigung der Maßnahme werden die Familien durch ein Gutscheinheft für max. 10 Beratungen abgesichert, einlösbar innerhalb eines halben Jahres. Außer in zwei Fällen machte keine der Familien Gebrauch von dieser niedrigschwelligen Hilfemöglichkeit. In Luxemburg begann im Oktober 1999 eine EU-Fortbildung in FSP mit dem Ziel, in der Großregion (Saarland, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und Wallonien) grenzübergreifend eine familienaktivierende Jugendhilfemethode und eine entsprechende Ausbildungsstruktur zu implementieren. Die Caritas Luxemburg übernahm die Koordination und Organisation. Verantwortlich für die Ausbildung ist GISA mit seinen TrainerInnen im Bereich der Familienaktivierung. Das Projekt wird von FOREG/ Universität Trier wissenschaftlich begleitet. Ein zweiter Kurs begann im Januar diesen Jahres in französischer Sprache, an dem neben luxemburgischen TeilnehmerInnen auch MitarbeiterInnen des CMSEA-Comité mosellan de sauvegarde de l'enfance, de l'adolescence et des adultes aus Metz teilnehmen. Um das Projekt in die jeweiligen Länderstrukturen einzupassen, werden die Ausbildungen durch entsprechende Landesgremien begleitet, die mit Mitgliedern der freien und der öffentlichen Jugendhilfeträger besetzt sind. Im stationären Bereich haben wir die Elternarbeit verstärkt programmähnlich strukturiert unter dem Begriff FiH - Familienaktivierung im Heim - davon ausgehend, dass sich die Erfolgschancen der Heimunterbringung deutlich erhöhen, wenn Aspekte wie Familienorientierung, Ressourcen- und Lösungsorientierung und Verbindlichkeit als konsequente Grundhaltung der Gesamteinrichtung, insbesondere in der Pädagogik, verankert sind und nicht ausschließlich im gruppenergänzenden Dienst als therapeutische Zusatzleistung angeboten werden. Diese Erfahrung setzen wir um, indem die Familienarbeit bei den GruppenerzieherInnen ansiedeln. Auf der Grundlage eines handlungsorientierten Ansatzes mit einem strukturierten Stufenplan der Interventionen erlernen MitarbeiterInnen im Erziehungsdienst ein Elternarbeitsmodell, welches die o.g. Kriterien konsequent in der alltäglichen Praxis zur Umsetzung bringt. Im Zusammenhang des grenzübergreifenden Interesses und der internationalen Wirksamkeit familienaktivierender Methoden arbeitet zur Zeit eine unserer FAM-ArbeiterInnen im Rahmen eines Mitarbeiteraustausches in der englischen Einrichtung NCH Action For Children, Hull, für ein halbes Jahr in deren families first program mit. Als Unterstützung zum Aufbau von FAM/ families first program Luxemburg arbeitet einer unserer FAM-Berater im Umfang einer halben Stelle für den Zeitraum von 6 Monaten beim Croix Rouge in Luxemburg mit. Damit wurden auf der konkreten Personalebene die Möglichkeiten geschaffen, die nationalen Unterschiede im Programm alltagsnah auszutauschen und den gegenseitigen Lernprozess anzuregen. Dieser Ansatz der Familienaktivierung ist aus unserer Sicht nicht nur eine Methode zum Erhalt vom Zerfall bedrohter Familien, sondern auch eine inhaltliche und finanzielle Basis zur Veränderung der Jugendhilfe. Da wir Veränderung hier als ein synchrones Miteinander von Methoden und Strukturen verstehen, haben wir uns auch in der Entwicklung sozialraumorientierter ganzheitlicher Jugendhilfemodelle engagiert. Im Oktober 1996 initiierte GISA, unterstützt durch Fred H. Wulczyn von der Universität Chicago, das Neunkircher Modell, in dem ein Verbund von Jugendhilfeeinrichtungen zusammen mit dem Landkreis Neunkirchen und in der Evaluation unterstützt durch die saarländische Landesregierung eine ganzheitliche, sozialraumbezogene und budgetierte Jugendhilfe entwickelt. Eines der wesentlichen Modellziele ist es, zum Umbau der Jugendhilfe beizutragen und eine Entsäulung der Hilfen voranzubringen. Umbau bedeutet hier den Aufbau neuer sozialraumorientierter Hilfestrukturen:
Die Hauptmerkmale dieses Modells sind:
Ein ähnliches Sozialraumprojekt wird von GISA im Landkreis St. Wendel beraten und begleitet. Familienaktivierung versteht Hilfesuchende als Ressourcenbündel. Dieses Grundverständnis hilft uns dabei, eine Umsteuerung von einer eher normativen, kontrollierenden und Defizite definierenden Jugendhilfe einzuleiten - einen Umsteuerungsprozess hin zu einer unterstützenden, emanzipatorisch angelegten und für alle Beteiligten, insbesondere die Hilfebetroffenen, transparenten Jugendhilfe, die weniger den identifizierten Patienten im Blickpunkt hat, als vielmehr das System Familie und darüber hinaus die Systeme Gemeinwesen und Gesellschaft. Zusammenfassung Das Bundesmodellprojekt "Familienorientierte Erziehungshilfen" und die damit verbundene Unterstützung der Landesregierungen des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz waren für uns Herausforderung und Ermutigung. Von Anfang an war unser Interesse, die fachlichen, ideellen und finanziellen Ressourcen, die uns dadurch zur Verfügung gestellt wurden, zu nutzen, um über den Projektzeitraum und die Projektregion hinaus bundesweite Impulse für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe zu setzen. Wir freuen uns darüber, dass es uns gelungen ist, mit unserem "Pfund zu wuchern". Wir bedanken uns an dieser Stelle für die Hilfen und Anregungen der Projektbegleitung, aber auch bei allen KollegInnen in den Jugendämtern, in anderen Jugendhilfeeinrichtungen, an Fachhochschulen und natürlich auch bei allen Kritikern, die uns Ansporn waren. Literatur Berg, Insoo Kim: Familien zusammenhalt(en), Dortmund 1992 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Zehnter Kinder- und Jugendbericht, Bonn 1998 Deutsches Jugendinstitut: Handbuch der Sozialpädagogischen Familienhilfe, München 1997 Durrant, Michael: Auf die Stärken kannst du bauen. Lösungsorientierte Arbeit in Heimen und anderen stationären Settings, Dortmund 1996 EREV Schriftenreihe 4/97, Familienaktivierende Konzepte Family Independence Agency, Michigan: Families Together: Building Solution Programs Standards Forrester, Viviane: Der Terror der Ökonomie, Wien 1997 Gehrmann, Gerd/Müller, Klaus D.: Praxis sozialer Arbeit: Familie im Mittelpunkt. Handbuch effektives Krisenmanagement für Familien, Regensburg, Bonn 1998 Heiner, Maja (Hrsg.): Qualitätsentwicklung durch Evaluation, Freiburg 1996 Jugendhilfe in der Ressourcenorientierung - von individuellen zu sozialraumorientierten Aktivierungskonzepten (25. - 27.05.1998). Ein Tagungsreader zu beziehen über GISA gGmbH, St. Wendel Kinney, Jill et al.: Keeping Families Together. The Homebuilders Model, New York 1991 Klein, Erich/Römisch, Klaus: Familienaktivierungsmanagement FAM. Eine neue Methode in der Jugendhilfe; in: Unsere Jugend 3/1996: 116-119 Klein, Erich/Römisch, Klaus: Familienaktivierungsmanagement FAM. Erste praktische Erfahrungen der Umsetzung in Deutschland durch die Stiftung Hospital St. Wendel in: Unsere Jugend 4/1997: 148-155 Neue Wege in der Erziehungshilfe. FamilienAktivierungsManagement (FAM). Video der Forschungsstelle für Regionale Jugendhilfeforschung (FOREG)/Universität Trier (als Leih- und Kaufkassette zu beziehen bei GISA) Petermann, F. u.a.: Sozialtraining in der Schule, Weinheim 1997 Planungsgruppe PETRA e.V. (Hrsg.) Modelle familienorientierter Hilfen zur Erziehung in der Jugendhilfe. Oberursel, 3. und 4. November 1999, Tagungsdokumentation Ries, Heinz A.: Sozialpädagogische Familienhilfe als stadtteilbezogene Beratungseinrichtung auf ganzheitlicher Grundlage, DJI Arbeitspapier Nr. 5-111 95 Römisch, Klaus: Neue Jugendhilfeformen im Kontext der Lebensweltorientierung. Beispiel FSP Familienstabilisierungsprogramm, in: Unsere Jugend 4/1998: 149-153 Rothe, Marga: Sozialpädagogische Familien- und Erziehungshilfe: eine Handlungsanleitung, Stuttgart, Berlin, Köln 1994 Stahl, T.: Triffst du 'nen Frosch unterwegs..., NLP für die Praxis, Paderborn 1998 Stehno, S.M.: Family-centered child welfare services: New life for an historic idea, in: Child Welfare 65: 231-240, 1986 Wulczyn, Fred H.: Child Welfare Reform, Managed Care, and Community Reinvestment, in: Children and Their Families in Big Cities: Strategies for Service Reform (liegt in einer Übersetzung durch die Stiftung Hospital St. Wendel vor) Eigene Veröffentlichungen Erich Klein/Klaus Römisch: Familienaktivierungsmanagement FAM. Eine neue Methode in der Jugendhilfe. In: Unsere Jugend 3/1996; S.116-119 Klaus Römisch/Johannes Leinen/Anne Schütz: Das FAM - Familienaktivierungsmanagement oder Families First Program Deutschland im Kontext einer ressourcen- und lebensweltorientierten Jugendhilfeplanung. In: sozialmagazin Februar 1999, S. 38-45 Klaus Römisch/Klaus-Werner Schorr: Familienstabilisierungsprogramm - FSP. In: Jugendwohl. Zeitschrift für Kinder- und Jugendhilfe, Heft 7/8 1998 Klaus Römisch: Neue Jugendhilfeformen im Kontext der Lebensweltorientierung. Beispiel FSP Familienstabilisierungsprogramm. In: Unsere Jugend, 4/1998, S. 149-153 Klaus Römisch: FamilienAktivierungsManagement beim Hospital St. Wendel. Projektbericht und Perspektiven. In: Unsere Jugend 11/2000, S. 467-476 Veröffentlichtes über GISA-Konzepte GüntherKoch/Rolf Lambach: Familienerhaltung als Programm. Forschungsergebnisse. Votum-Verlag. Grevener Str. 89-91; 48159 Münster Josef Koch/Stefan Lenz (Hg.): Integrierte Hilfen und sozialräumliche Finanzierungsformen.. IGFH-Eigenverlag, Schaumannkai 101-103; 60596 Frankfurt/M. Dr. Manfred Schenk, Katrin Brandhorst, Thomas Köhl-Brandhorst: Implementierung einer familien- und ressourcenstützenden Ausbildung nach dem Ansatz FAM(ffp in der Euroregion Saar-Lor-Lux Rheinland-Pfalz. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung. Trier; April 2001; zu beziehen über FOREG, Email: foreg@uni-trier.de, und GISA Klaus Römisch: FAM- Familienaktivierungsmanagement. Referat bei Kongress "Sozialpädagogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland - Bestand und Perspektiven". Berlin 1997, DJI Arbeitspapier Nr. 5-134. Deutsches Jugendinstitut e.V. München Jürgen Herrmann: Implementation of Families First. A comparison between the Netherlands and Germany. Hogeschool Maastricht/ University of North London, Maastricht 99, zu beziehen über GISA Curriculum / Ausbildung FAM-ArbeiterIN
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