| SGB VIII - Online-Handbuch
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| Pflicht und Kür? - Zusammenwirken von Jugendhilfe und Jugendpflege im Gemeinwesen
Christa Hintermair
Im Leistungskatalog des Kinder- und Jugendhilfegesetzes findet sich die Aufgabe "Jugendarbeit", die sich als Angebot für alle Jugendliche eines Einzugbereiches versteht, unabhängig davon, ob diese Jugendlichen auch andere Leistungen der Jugendhilfe - im Sinne der Aufgaben nach § 16 ff - beanspruchen oder nicht. Dabei grenzt sich Jugendarbeit noch häufig von Trägern der sog. "Einzelfallhilfen" ab (und umgekehrt), mit dem Ergebnis, daß die Lebenswirklichkeit von denjenigen Kindern und Jugendlichen, die ihren Alltag sowohl in der Jugendarbeit wie auch in Einrichtungen und Maßnahmen anderer Jugendhilfeleistungen verbringen, unberücksichtigt bleibt. Zudem gibt es nicht einen gemeinsamen Jugendhilfeplan für einen Ort, sondern viele Jugendhilfeplanungen für Teilaufgaben nach dem KJHG. Viele Kolleginnen und Kollegen stehen deshalb immer öfter vor der Frage: Kann das Zusammenwirken aller Verantwortlichen von Jugendarbeit, von Maßnahmen zur Förderung der Erziehung in der Familie, von Tageseinrichtungen und Tagespflege, von Anbietern der Hilfen zur Erziehung, Eingliederungshilfen und Hilfen für junge Volljährige u.ä. nicht auch so gestaltet werden, daß die gemeinsame Aufgabe nach dem KJHG, "dazu beizutragen, daß positive Lebensbedingungen für junge Menschen, und ihre Familien, sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen", auch gemeinsam erfüllt werden? Wie sieht es aus, wenn freie Träger, kommunale Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Ortjugendpflege, die Kirchengemeinden, Verwaltung und Politik, das Kreisjugendamt und dessen Sachgebiete, Vereine, Verbände, Initiativen, Bürgerinnen und Bürger, last but not least Jugendliche selbst, so zusammenarbeiten, wie vom KJHG vorgesehen? (An fachlichen Standards einer gelingenden Sozialraum- und Lebenslagenorientierung orientiert und an der Umsetzung in der Praxis zu messen?) Wie das Beispiel Gomaringen - stellvertretend für einige andere Gemeinden im Landkreis Tübingen mit ähnlichen Strukturen - zeigen kann, gibt es einige Ansatzmöglichkeiten. Zunächst ist allerdings von allen Beteiligten der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, sowie gleichermaßen zusätzliches Engagement von haupt- und ehrenamtlich Tätigen zu verlangen. Das Fazit hier vorwegnehmend: Darin liegen sehr gute Chancen, die eigene Arbeit weiter zu entwickeln, mit besseren Erfolgschancen für die eigenen Angebote "belohnt" zu werden, eine verbesserte Öffentlichkeitswirkung zu ermöglichen, eine bessere Abstimmung untereinander zu fördern, durch positive Ergebnisse auch mehr Zufriedenheit in den Arbeitsalltag zu bringen. Die prozeßhaft angelegte Entwicklungsplanung in Gomaringen stützt sich auf 4 Elemente:
Die beiden letzten Punkte stellen im Sinne des Themas die "Kür" dar und sollen deshalb im Folgenden näher betrachtet werden: Die Begegnungstage "Kinder- und Jugendarbeit in Gomaringen" fanden vom 13. und 14. Oktober 2000 statt. Zu dieser gemeinsamen Veranstaltung aller Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe, der Schulen, Kindergärten, Vereine und Kirchen haben die Gemeinde und das Sozialdezernat des Landratsamts Tübingen eingeladen. Es nahmen 42 Personen aus 19 Einrichtungen und Organisationen, Gemeinderäte, Eltern und Jugendliche teil. Die Moderation und Leitung der Arbeitsgruppen wurde durch die Mitarbeiterinnen des Jugendbüros und der Kreisjugendpflege übernommen. Wichtige Programmpunkte waren die Einführungen in die Begegnungstage durch Bürgermeister und Sozialdezernent. Es ging um die einfach gestellten Fragen: "Was ist?", "Was soll sein?", "Was können wir dafür tun?" Was ist?
Was soll sein?
Was können wir dafür tun?
Wichtigstes Ergebnis der Begegnungstage war die Einigung daraufhin, auch weiterhin einen positiven und kontinuierlichen Beitrag im Hinblick auf ein kinder-, jugend- und familienfreundliches Gemeinwesen leisten zu können und zu wollen, gemeinsam die Ideen umzusetzen, bzw. deren Umsetzung zu begleiten und weiterhin nach konstruktiven Vorschlägen und Ideen zu suchen. Die Abschlußrunde des Begegnungstages lautet zusammengefaßt in etwa so: Es ist etwas in Bewegung gekommen, das sich lohnt, weiterbewegt zu werden. Die Umsetzung der Ergebnisse liegt nun in der Hand einer "Arbeitsgemeinschaft Jugend und Familie", sowie der begleitenden Projektgruppe, die - wie könnte es auch anders sein - unter anderem zusammengesetzt ist aus den vor Ort tätigen hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der kommunalen Jugendarbeit (Ortsjugendpflege), der Schulsozialarbeit, Bereichsleiter und Mitarbeiter/innen des freien Trägers von Sozialer Gruppenarbeit und mobilem Dienst (Sophienpflege Pfrondorf) und Mitarbeiterinnen des Kreisjugendamts (ASD und Kreisjugendpflege). Die Kür geht also weiter... (Ausführlichere Darstellung der Begegnungstage in der Dokumentation "Jugendarbeit und Jugendhilfe in Gomaringen", Hrsg. Gemeinde Gomaringen und Landratsamt). Quelle Überarbeitung des Vortrags am Fachtag vom 02.02.01 "Bis hierher - und noch weiter". Dokumentation: Bundesmodellprojekt INTEGRA, Brunnenstraße 6 Tübingen Autorin Christa Hintermair |