SGB VIII - Online-Handbuch

herausgegeben von Ingeborg Becker-Textor und Martin R. Textor

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Aus: Blätter der Wohlfahrtspflege, 1998, 9+10, Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg, Stuttgart, S. 190-192

Fallarbeit bei der Hilfeplanung

Helmut Adler


Das Modell des Case Management wird als Strukturierungshilfe für die Hilfeplanung (nach § 36 KJHG) herangezogen. Es wird ein Training für Fachkräfte im Jugendamt vorgestellt, das auf der Grundlage des Case Management Hintergrundinformationen und Verfahrenshinweise für die Fallbearbeitung und Hilfeplanung bereitstellt.

Fallanalyse und Hilfeplanung als Case Management

Fallanalyse und Hilfeplanung kann sie sich am Modell sozialpädagogischer Fallarbeit orientieren, wie sie als Case Management beschrieben werden (Wendt, 1991, Gehrmann & Müller, 1993, Wendt, 1997). Ein Ablaufschema, das sich an dem Modell von Ballew & Mink (1991) orientiert, besteht aus sieben Phasen (Gehrmann & Müller, 1993):

  1. Engagement (Aufbau der Arbeitsbeziehung): Die erste Phase des Case Management enthält die Annahme eines Klienten und den Aufbau einer effektiven Arbeitsbeziehung. Es wird eine Vertrauensbasis geschaffen und eine Verständigung darüber hergestellt, wie die Zusammenarbeit im Rahmen eines sozialpädagogischen Case Management durchgeführt wird.
  2. Assessment (Einschätzung): In dieser Phase werden Probleme des Klienten analysiert und es wird überprüft, welche Umstände den Klienten bisher daran hindern, Hilfsmöglichkeiten aus eigener Kraft zu nutzen. Oft erfordert dieser Prozeß einen längeren Zeitraum, der für eine detaillierte Analyse notwendig ist, teilweise wird aufgrund der bestehenden Probleme ein längerer Beratungszeitraum benötigt, um die Klienten behutsam an eine genaue Problemeinschätzung heranzuführen. Außerdem werden in dieser Phase neben den bestehenden Problemen auch die Stärken des Klienten erhoben, weil jedes sozialarbeiterische Handeln an den Stärken des Klienten ansetzt, um dessen Fähigkeiten zur Selbsthilfe zu entwickeln.
  3. Planung: Die Phase der Planung stellt einen wichtigen Schritt dar. Von der Qualität der Planung hängt der spätere Erfolg der Arbeit ab. Der Planungsprozeß umfaßt eine gemeinsame Zielformulierung durch die Fachkraft und die Klienten, die Auswahl der Verfahren und Strategien der Intervention, die Festlegung von Dringlichkeiten und die Vereinbarung von Zeiten und Kriterien, um Fortschritte festzustellen und zu bewerten.
  4. Erschließen von Hilfsquellen: Bei diesem Arbeitsschritt geht es um die Umsetzung der geplanten Hilfe. Dabei werden Unterstützungssysteme eingerichtet oder die Durchführung einer Hilfe durch eine Einrichtung oder einen Dienstleistungsanbieter wird vorbereitet.
  5. Koordination: In der Phase der Koordination hält der Case Manager alle Fäden in der Hand. Er koordiniert die vorgesehenen Dienstleistungen und die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte und etabliert eine fachliche Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen.
  6. Monitoring (Überwachung): 'Monitoring' umfaßt Prüfung, Revision, Informationsverarbeitung und Berichterstattung. Dies bezieht sich auf die Zusammenarbeit der Dienste untereinander, die Arbeitsbeziehungen zwischen Klienten und Dienstleistern und die Qualität der Dienstleistung. Außerdem wird überprüft, ob die Durchführung der Hilfe entsprechend der Ziele, Leistungen und geplanten Zeiträume eingehalten werden kann. Es kann auch eine Veränderung der Ziele, der Dienstleistungen oder der zeitlichen Planung erfolgen, wenn sich während des laufenden Arbeitsprozesses erhebliche Veränderungen ergeben.
  7. Reassessment (Neueinschätzung) und Entpflichtung (Disengagement): Schon während der Phase des Monitoring ist festzustellen, ob die operationalisierten kurz-, mittel- und längerfristigen Teilziele erreicht wurden. Ein gemeinsames Reassessment mit dem Klienten und den Dienstleistern beinhaltet die abschließende Bewertung der Hilfe. Wenn die Ziele erreicht sind, erfolgt ein Abschluß der Arbeitsbeziehung und der Hilfe. Es kann jedoch bei Bedarf ein neuer Arbeitsvertrag abgeschlossen werden oder eine neue Hilfe geplant werden. Zusätzlich zum Reassessment mit den Klienten wird eine fachliche Evaluation für notwendig erachtet, um die Praxis, ihre Methoden und die wissenschaftliche Diskussion in der sozialen Arbeit voranzutreiben (Gehrmann & Müller, 1993).

Insbesondere für die Behandlung von Kindern und deren Familien werden noch differenziertere Schritte vorgeschlagen, die auf Modellen des Case Management für Risikokinder (Halfon, Berkowitz & Klee, 1993) beruhen. Solche Modelle wurden entwickelt angesichts der wachsenden Zahl von Kindern mit komplexen medizinischen und psychosozialen Problemen, deren Wurzeln in familiären, sozialen und Umweltbedingungen liegen, die oft mit Armut einhergehen.

Nach der Aufnahme des Klienten findet eine Informationssammlung statt, die eine umfassende Analyse der medizinischen, emotionalen, schulischen, entwicklungspsychologischen Daten beinhalten, und außerdem eine Analyse der familiären Situation und der bisherigen Betreuung durch Soziale Dienste beinhalten. Diese Analyse (Assessment) stellt die Basis für die Einschätzung des Bedarfs dar, der oft eine komplexe Kombination sozialer, familiärer, behavioraler und schulischer Interventionen erfordert. Anhand der Daten des Assessment wird auch im Verlauf der Durchführung einer Hilfe überprüft, ob der Bedarf weiterhin besteht und ob eine Modifikation des Hilfeplans notwendig ist. Das Assessment und die Einschätzung des Bedarfs sind also in einem Rückkopplungskreislauf mit den Ergebnissen der Hilfe verbunden. Die Daten aus der Analysephase werden außerdem für eine übergreifende Programmevaluation verwendet (Halfon, Berkowitz & Klee, 1993).

Ergänzend zu den allgemeinen Arbeitsschritten des Case Management, die als Arbeitsschritte für die Fallanalyse, Planung und Durchführung von Hilfen zur Erziehung zugrundegelegt werden, ist also als bei der Fallbearbeitung im Rahmen der Hilfeplanung eine umfassende und mehrdimensionale Erhebung von Daten von großer Bedeutung, die als Grundlage für das 'Assessment' notwendig sind. Sie können auch einer Programmevaluation dienen, die im Rahmen der Modelle des Case Management nicht explizit ausgewiesen sind, deren Notwendigkeit aber von einigen Autoren für eine Fundierung der Praxis und der wissenschaftlichen Diskussion in der sozialen Arbeit betont wird (Gehrmann & Müller, 1993).

Beschreibung eines Trainings zur Erstellung von Hilfeplänen

Die dargestellte Systematik des Case Management wurde einem Trainingsprogramm für Fachkräfte im Jugendamt zugrundegelegt, das aus 8 Modulen (jeweils 4 Unterrichtseinheiten) besteht (Adler, 1998a). Es ist entsprechend der Phasen des Case Management (Gehrmann & Müller, 1993) strukturiert, die als Arbeitsschritte für die Fallanalyse, Planung und Durchführung von Hilfen zur Erziehung zugrundegelegt werden. In dieses Modell wird die Erhebung von Daten als gesonderter Arbeitsschritt integriert, die als Grundlage für das 'Assessment' notwendig sind (Halfon, Berkowitz & Klee, 1993). Außerdem wird auf die Möglichkeit einer fundierten Evaluation nach Abschluß des Case Management Prozesses hingewiesen, die der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Praxis der sozialen Arbeit dient und hilfreiche Informationen für die Jugendhilfeplanung bereitstellen kann (Adler, 1998a).

Beschreibung des Trainings zur Fallarbeit

Die ersten beiden Module des Trainings zur Fallbearbeitung und Hilfeplanung enthalten Hintergrundinformationen, die für den gesamten Analyseprozeß von Bedeutung sind, und den Fachkräften im Jugendamt als Grundlage für die Diagnostik und die Behandlungsplanung dienen sollen. Vier weitere Module beziehen sich auf die Phasen des Case Management bei der Fallanalyse und bei der Planung und Durchführung von Hilfen zur Erziehung. Die beiden letzten Module thematisieren die Durchführung, Begleitung und den Abschluß einer Hilfe:

  • Das Modul 1 stellt Hintergrundinformationen dar, die für den gesamten Analyseprozeß benötigt werden. Diese beziehen sich auf Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen und thematisieren anhand ausgewählter Beispiele, wie medizinische, behaviorale und soziale Aspekte ineinandergreifen. Dabei wird eine bio-psycho-soziale Perspektive zugrundegelegt, die verschiedene Faktoren verknüpft.
  • Modul 2 enthält weitere Hintergrundinformationen für die Analyse der Familie und des sozialen Umfelds. Verschiedene Möglichkeiten zur Einschätzung der Familiensituation und des sozialen Umfelds werden erläutert. Dabei werden mögliche familiäre Situationen und Belastungsfaktoren dargestellt, die die kindliche Entwicklung sowie Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten beeinflussen können. Außerdem werden Faktoren im sozialen Umfeld erläutert, die ebenfalls Wirkungen auf die Problematik von Kindern (und deren Familien) haben können.
  • Modul 3 beschreibt den sozialpädagogischen Beratungsprozeß. Die Fallanalyse findet im Rahmen eines solchen Beratungsprozesses statt. In der Beratungsphase der Fallarbeit stellt der Aufbau einer Arbeitsbeziehung mit der Familie, die zum Aufbau einer Vertrauensbasis notwendig ist, die zentrale Aufgabe für die Fachkraft dar. Eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung stellt die Voraussetzung dafür dar, daß die notwendigen Daten für die folgende Analyse des Falls erhoben werden können.
  • In Modul 4 werden Methoden der Datenerhebung dargestellt. Sie dienen dazu, die relevanten Informationen zu gewinnen, die für die Hilfeplanung und die Analyse des Bedarfs notwendig sind. Es werden Aktenanalyse, diagnostische Gesprächsführung und Beobachtung als zentrale Methoden sozialpädagogischer Datengewinnung dargestellt. Außerdem werden Rollenspiel und Gutachten als weitere Datenquellen dargestellt.
  • Modul 5 umfaßt die Themen Analyse und Indikation. Eine umfassende Fallanalyse und eine psychosoziale Diagnostik bietet die Grundlage, um zu einer Gesamteinschätzung des Falls zu kommen und den Bedarf an Hilfe zur Erziehung sowie die im Einzelfall notwendigen pädagogisch-therapeutischen Leistungen möglichst genau zu erfassen. Wo dies nicht durch Fachkräfte im Jugendamt geleistet werden kann, besteht die Möglichkeit, weitere Experten (Allgemein- oder Fachärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Diplom-Psychologen etc.) zur vertiefenden Abklärung oder zu einer differenzierten Diagnostik heranzuziehen.
  • Modul 6 stellt Leistungsmöglichkeiten der verschiedenen Formen der Hilfe zur Erziehung dar und die bisher bekannten Indikationskriterien für die Auswahl einer bestimmten Einrichtung werden erläutert. Die Indikationskriterien für Hilfen zur Erziehung sind bisher noch in geringem Maß empirisch fundiert, daher wird vorwiegend auf Erfahrungen von Praktikern zurückgegriffen. Von besonderer Bedeutung für die Fallarbeit ist es, die Leistungsmöglichkeiten der Einrichtungen zu erheben, die vor Ort Hilfen zur Erziehung anbieten.
  • Modul 7 beschäftigt sich mit der Vorbereitung und Durchführung der Hilfe. Die Vorbereitung der Hilfe umfaßt die Erschließung von Hilfsquellen und die schriftliche Hilfeplanung. In dieser Phase beginnt die Umsetzung der Hilfe. Voraussetzung hierfür ist einerseits die erforderliche Einigung zwischen der Fachkraft, den Eltern und dem Kind oder Jugendlichen über die Art und die notwendigen Leistungen der geplanten Hilfe. Außerdem wird in dieser Phase eine Einrichtung ausgewählt, die die Hilfe durchführt und mit der die genauen Inhalte und Methoden der Hilfe abgestimmt werden. Zuletzt wird in dieser Phase der Hilfeplan schriftlich fixiert.
  • In Modul 8 wird der Verlauf der Hilfe beschrieben. Der Beginn der Hilfe erfordert eine Koordination der Aktivitäten verschiedener Beteiligter, und die fachliche Zusammenarbeit des Jugendamtes mit der Einrichtung, die die Hilfe durchführt, wird etabliert. Parallel wird die Beratung und Unterstützung der Familie mit der Durchführung des Hilfeprozesses für das Kind koordiniert. Begleitung und Überprüfung des Verlaufs der Hilfe zur Erziehung sind die weiteren Schwerpunkte dieser Phase. Wenn die angestrebten Ziele erreicht sind stellt der Abschluß der Hilfe und die Evaluation die letzte Phase des Case Managements dar. Die Evaluation soll den Verlauf und Erfolg der Hilfe transparent zu machen und gleichzeitig das Wissen über die eingesetzten Interventionen vergrößern, um es für die Planung der folgenden Hilfen zur Erziehung nutzbar machen.

Die Module des Trainings strukturieren den Prozeß der Fallarbeit und Hilfeplanung entsprechend der Arbeitsschritte im Case Management. Diese Arbeitsschritte beschreiben die Gestaltung einer Arbeitsbeziehung als Voraussetzung für die Datenerhebung, auf deren Grundlage eine fundierte Fallanalyse und der Planung der Hilfe basiert. Außerdem strukturieren sie den Prozeß der Durchführung und die Begleitung einer Hilfe zur Erziehung durch eine Fachkraft im Jugendamt.

Phasen der Fallarbeit beim Hilfeplan

Sozialpädagogische Fallarbeit und Hilfeplanung erfordert die Beteiligung unterschiedlicher Fachkräfte und der Eltern im Analyse- und Planungsprozeß. Auch bei der Durchführung der Hilfe kooperieren Jugendamt, Einrichtung und Eltern. Teilweise sind weitere Dienste oder Experten einbezogen. Dies erfordert in jeder Phase der Fallanalyse, der Vorbereitung und der Durchführung der Hilfe unterschiedliche Arbeitsschritte, bei denen unterschiedliche Personen beteiligt sind (Forum Jugendhilfe in der Region Franken, 1991a; Forum Jugendhilfe in der Region Franken, 1991b). Die unterschiedlichen Arbeitsschritte bei der Fallanalyse und der Hilfeplanung lassen sich den Phasen des Case Management zuordnen und in zwei große Abschnitte einteilen (Tabelle 1).

Zu Beginn der Hilfeplanung findet ein Beratungs- und Analyseprozeß statt (Phasen 1 bis 3), der aus Datenerhebung, Fallanalyse, Bedarfsfeststellung, Indikationsbildung und Planung der Hilfe besteht. Sie stellen also vorbereitende Schritte für die Durchführung der Hilfe dar. Die weiteren Phasen (Phasen 4 bis 7) beschreiben den Beginn und die Begleitung der laufenden Hilfe zur Erziehung sowie deren Abschluß. Beim Abschluß einer Hilfe ist eine Auswertung sinnvoll, um die Erfahrungen und Ergebnisse für die weitere Arbeit und für die Jugendhilfeplanung nutzbar zu machen. Außerdem ist auch eine fundierte Evaluation sinnvoll, deren Ergebnisse der wissenschaftlichen Fundierung der Methoden und der Praxis sozialer Arbeit dient.

Tabelle 1: Vorbereitung und Durchführung der Hilfe zur Erziehung (modifiziert nach Forum Jugendhilfe in der Region Franken, 1991a, S. 20 ff. und 1991b, S. 22)

Arbeitsphase Inhalt Aufgabe Beteiligte1 Einbezug bei Bedarf
1. Beratungsprozeß (Engagement)
Erstkontakt ein oder mehrere Erstgespräch(e)   Fachkraft, Familie  
gegebenenfalls Antrag auf Hilfe zur Erziehung Entgegennahme des Antrags Eingangsbestätigung zum Antrag auf Hilfe und Akteneröffnung Fachkraft, Familie  
Beginn des Beratungsprozesses Aufbau einer Arbeitsbeziehung für Beratung und Fallanalyse Herstellen einer angemessenen Arbeitsbeziehung Fachkraft, Familie  
Allgemeine Situationsanalyse Erhebung von Grunddaten zur Familiensituation Überblick über die Lebenssituation der Familie Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl.  
2. Datenerhebung, Analyse und Indikation (Assessment)
Datenerhebung Informationen aus
- Aktenanalysen
- Gesprächen
- Beobachtungen
- sonstigen Quellen
Datenerhebung unter bio-psycho-sozialer Perspektive Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl. Experten (z.B. Arzt, Psychologe, Lehrer)
Detailanalyse zu:
- Kind
- Familie
- Umwelt
Datenauswertung aus
- Aktenanalysen
- Gesprächen
- Beobachtungen
- sonstigen Quellen
Analyse der erhobenen Daten und gegebenenfalls weitere Datenerhebungen Fachkraft Experten (siehe oben)
Fallanalyse Aufbereitung des Falls Fallanalyse und Indikationsbildung Fachkraft  
gegebenenfalls Beratungsteam: Fallkonferenz (Analyse des Falls) Fallbesprechung im Beratungsteam Fallanalyse und Indikationsbildung Fachkraft, Team, WiJu Experten (siehe oben)
3. Planung (Planning)
Planung der Hilfe Planung der Hilfe auf Basis der Fallanalyse Planung der einzelnen Aspekte der Hilfe Fachkraft  
Angebot einer Hilfe, gegebenenfalls Aushandlungsprozesse Gespräch und Angebot einer Art der Hilfe an die Familie Angebot und Aushandlung der angemessenen Hilfe Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl.  
4. Entscheidung und Vorbereitung der Hilfe (Erschließung von Hilfsquellen)
gegebenenfalls Antrag auf Hilfe (sofern nicht schon gestellt) Gespräch Eingangsbestätigung zum Antrag auf Hilfe und Akteneröffnung Fachkraft, Familie  
Beratungsteam Teamberatung Entscheidung über Art der Hilfe Fachkraft, Team, WiJu Experten (siehe oben)
Anfrage an Einrichtungen Anfrage oder Besuch von Einrichtungen gegebenenfalls Hilfeplanentwurf an Einrichtungen Fachkraft, MA Einrichtung /mehrere Einrichtungen  
Orientierung zu Hilfen zur Erziehung und Einrichtungen Orientierung der Familie über mögliche Einrichtungen Information / Besuch von Einrichtungen Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung  
Auswertung der Orientierung und Entscheidung Gespräch und Entscheidung mit der Familie Entscheidung für eine Einrichtung zur Durchführung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung  
Erster Hilfeplan und Bewilligungsbescheid Hilfeplanung und Bewilligung der Hilfe Schriftlicher Hilfeplan und Bewilligungsbescheid ASD-Leitung, Fachkraft, WiJu, MA Einrichtung  
5. Beginn der Hilfe (Koordination)
Beginn der Hilfe zur Erziehung Koordination der Beteiligten und Beginn der Hilfe Kostenzusage und Hilfeplan an Einrichtung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung Experten (siehe oben)
6. Begleitung der Hilfe (Monitoring)
1. Fortschreibung

(3 Mon.)

1. Fortschreibungs-
gespräch (gegebenenfalls Fallkonferenz)
1. Fortschreibung Hilfeplan an die Einrichtung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung, gegebenenfalls Team Experten (siehe oben)
2. Fortschreibung

(6 Mon.)

2. Fortschreibungs-
gespräch (gegebenenfalls Fallkonferenz)
2. Fortschreibung Hilfeplan an die Einrichtung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung, gegebenenfalls Team Experten (siehe oben)
x. Fortschreibung

(6 Mon.)

x. Fortschreibungs-
gespräch (gegebenenfalls Fallkonferenz)
x. Fortschreibung Hilfeplan an die Einrichtung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung, gegebenenfalls Team Experten (siehe oben)
7. Abschluß der Hilfe (Reassessment und Disengagement)
Abschluß der Hilfe zur Erziehung Abschlußgespräch Bescheid über das Ende der Hilfe zur Erziehung Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung Experten (siehe oben)
Auswertung der Hilfe zur Erziehung Auswertung der Hilfe (gegebenenfalls Auswertung im Team) Auswertung (gegebenenfalls Rückmeldung an die Jugendhilfeplanung) Fachkraft, Familie, Kind oder Jugendl., MA Einrichtung, gegebenenfalls Team Experten (siehe oben)
gegebenenfalls Evaluation der Hilfe zur Erziehung Evaluation durch Einzelfallstudien oder mit Studien systematische Evaluation Fachkraft, gegebenenfalls Fachkraft der Jugendhilfeplanung  

1 Diese Spalte enthält Beteiligte im Jugendamt mit folgenden Abkürzungen:

  • ASD-Leitung = Leitung des Sozialen Dienstes im Jugendamt
  • WiJu = Fachkraft der Abteilung für Wirtschaftliche Jugendhilfe im Jugendamt
  • Fachkraft = Sozialpädagogische Fachkraft im Jugendamt
  • Team = Beratungsteam

 

Anwendung

Das vorgestellte Modell des Case Management in der Hilfeplanung wurde in einem Jugendamt im Rahmen eines Beratungsprojekts eingeführt. Die Effektivität des Modells wurde anhand von Interviews und der Analyse schriftlicher Hilfepläne evaluiert. Dabei wurden drei Evaluationsebenen zugrundegelegt (Adler, 1998a):

  • Direkte Rückmeldungen der Fachkräfte während des Trainings diente zur Verlaufskontrolle des Trainings,
  • in einer Vor- und Nachbefragung wurde das vorhandene Wissen der Fachkräfte im Zusammenhang mit den Inhalten des Trainings erfaßte und damit der Wissenszuwachs überprüft, und
  • die Auswirkungen des Trainings in der praktischen Umsetzung wurde anhand der Analyse schriftlicher Hilfepläne erhoben.

Die Ergebnisse zeigen eine positive Rückmeldung der Teilnehmer während des Trainings. Außerdem ist eine deutliche Verbesserung des vorhandenen Wissens über Verlauf und Inhalte von Fallanalysen und Hilfeplanung sowie eine signifikante Verbesserung der schriftlichen Hilfepläne zu verzeichnen (Adler, 1998b).

Zusammenfassung

Case Management stellt eine methodische Grundlage dar, die in verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit anwendbar ist, und daher auch für der Hilfeplanung im Rahmen der Jugendhilfe zugrundegelegt werden kann. Dieser Ansatz eignet sich sowohl für die Beratung von Familien (Wendt, 1997) wie für die Fallanalyse und Hilfeplanung (Adler, 1998a). Auf der Basis der Arbeitsschritte des Case Management wurde ein Training für Fachkräfte im Jugendamt entwickelt und evaluiert. Es sieht eine fachliche Grundlage der Bedarfsanalyse in Form einer bio-psycho-sozialen Perspektive vor, für die sich Formen der Psychosozialen Diagnostik eignen (Richmond, 1965, Harnach-Beck, 1995, Harnach-Beck, 1997, Adler, 1998). Im weiteren Verlauf erfordert die prozeßhafte Gestaltung der Hilfe Aushandlungsprozesse zwischen Familie, Jugendamt und den Einrichtungen, die die Hilfe durchführen (Janssen, Knipper, Lengemann & Rheinhard, 1993, Institut für soziale Arbeit, 1994). Außerdem erfordert die Durchführung der Hilfe das Management eines komplexen Prozesses der Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Familie und Jugendhilfeeinrichtungen (und eventuell zusätzlicher anderer Stellen). Case Management kann dabei als Projektarbeit in jedem Einzelfall definiert werden (Wendt, 1996). Eine Auswertung am Ende der Hilfe dient dazu, den Verlauf und Erfolg transparent zu machen. Außerdem ist eine Evaluation der Hilfe sinnvoll, die einer Fundierung der Praxis und der wissenschaftlichen Diskussion in der sozialen Arbeit dient (Gehrmann & Müller, 1993).

Literatur

Adler, H. (1998a). Fallanalyse beim Hilfeplan nach § 36 KJHG. Frankfurt am Main: Peter Lang.

Adler, H. (1998b). Training zur Fallanalyse und Hilfeplanerstellung. Kindheit und Entwicklung (Schwerpunktthema: Qualitätsmanagement in der Jugendhilfe), 7, 43-49.

Ballew, J. R. & Mink, G. (1991). Was ist Case Management? In Wendt, W. R. (Hrsg.), Unterstützung fallweise: Case Management in der Sozialarbeit (56-83). Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Forum Jugendhilfe in der Region Franken (1991a). Der Hilfeplan. Einführung, Erstellung, Umgang: Dokumentation. Kleingartach: Eigenverlag Kinderheimat Kleingartach.

Forum Jugendhilfe in der Region Franken (1991b). Der Hilfeplan. Einführung, Erstellung, Umgang: Materialien. Kleingartach: Eigenverlag Kinderheimat Kleingartach.

Gehrmann, G. & Müller, K. D. (1993). Management in sozialen Organisationen. Ein Handbuch für die Praxis Sozialer Arbeit. Berlin: Walhalla.

Halfon, N., Berkowitz, G. & Klee, L. (1993). Development of an Integrated Case Management Programm for Vulnerable Children. Child Welfare, 72 (4), 379-396.

Harnach-Beck, V. (1995). Psychosoziale Diagnostik in der Jugendhilfe. Grundlagen und Methoden für Hilfeplan, Bericht und Stellungnahme. Weinheim: Juventa.

Harnach-Beck, V. (1997). Informationsgewinnung durch Fachkräfte des Jugendamtes - professionelle Datenerhebung als Aspekt des Qualitätsmanagements. Kindheit und Entwicklung, 6 (1), 31-39.

Institut für soziale Arbeit e.V. (Hrsg.) (1994). Hilfeplanung und Betroffenenbeteiligung. Münster: Votum.

Janssen, K., Knipper, K., Lengemann, M. & Rheinhard, W. (1993). Hilfeplan - die prozeßhafte Gestaltung von Erziehungshilfen. Vieselbach: Deutscher Kommunal-Verlag.

Richmond, M. E. (1965). Social diagnosis. New York: The Free Press.

Wendt, W. R. (1997). Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen. Eine Einführung. Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Wendt, W. R. (1996). Einzelfallhilfe als Projektmanagement. Social Management, 6, 11-12.

Wendt, W. R. (1995). Hilfe nach Plan. Fortschritte im Verfahren: Case Management - Unterstützungsmanagement als angemessene Methode Sozialer Arbeit in der Bürgergesellschaft und Marktwirtschaft. Blätter der Wohlfahrtspflege, 142, 101-105.

Wendt, W. R. (1991). Die Handhabung der sozialen Unterstützung. Eine Einführung in das Case Management. In Wendt, W. R. (Hrsg.), Unterstützung fallweise: Case Management in der Sozialarbeit (11-55). Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Autor

Dr. phil. Helmut K. Adler, Dipl.-Psych./Soziologe (M.A.)
Berufliche Tätigkeit: Leitung einer teilstationären Abteilung im Projekt Petra
Freiberufliche Tätigkeiten als Dozent (FH), Fortbildungen, Beratung und Supervision

Arbeitsschwerpunkte:

  • Ambulante Hilfen zur Erziehung/therapeutische Hilfen für Familien
  • Fortbildung, Supervision, Beratung und Organisationsentwicklung
  • Lehraufträge (FH) für Soziale Arbeit, Sozialarbeitswissenschaft

Website: http://www.projekt-petra.de
Email: h.k.adler@t-online.de