| SGB VIII - Online-Handbuch
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| Aus: Hubert Jall: Die Sicht der Sozialarbeit in Schulen; in Dokumentation zum Studientag: Gemeinsam geht's besser, Institut für Fort- und Weiterbildung Forschung und Entwicklung, Katholische Stiftungsfachhochschule München und Deutscher Caritasverband, Landesverband Bayern, Juni 2002
Die Sicht der Sozialarbeit in Schulen Hubert Jall
1. Zum Verhältnis zwischen Schule und Sozialer Arbeit Schule und Schulsozialarbeit stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander aufgrund unterschiedlicher beruflicher Systeme: Hier die staatlich organisierte und legitimierte Schulpädagogik und -verwaltung; dort die Jugendhilfe, deren Aufgaben in der Hilfe und Gestaltung jugendlicher Lebenswelten außerhalb der Schule liegen. Schulsozialarbeit wird somit auch "Gast" in einem zwar verwandten, aber doch anders organisierten pädagogischen Bereich; d.h. beide Partner befinden sich auch in einer Beziehungsklärung und versuchen ihre jeweiligen Rollen gegen-seitig bekannt und verständlich zu machen. So ist zwar Schulsozialarbeit ein originär sozialpädagogisches Arbeitsfeld, ihr Zuständigkeitsbereich reicht aber weit in die Institution Schule hinein. Ohne Schule, ohne schulisches Mitwirken ist eine effektive Schulsozialarbeit nicht erreichbar. Beide pädagogischen Bereiche besitzen ein voneinander unabhängiges Organisationsverständnis. Die dichten Berührungen im Schulalltag erfordern die Entwicklung von effektiven Kommunikationskulturen, die nicht nur den beruflichen Alltag regeln und gestalten, sondern auch die unterschiedlichen beruflichen Grundpositionen würdigen. 2. Was bietet die Schulsozialarbeit? Schulsozialarbeit geschieht an den Gelenkstellen zwischen örtlichen bzw. regionalen schulischen Angeboten, den Diensten der Jugendhilfe sowie den lokal- und regionalpolitischen Institutionen. Als klassische Leistungsbereiche der Schulsozialarbeit haben sich
Wichtige Aufgabenstellungen an vielen Schulen sind der Übergang der Schülerinnen und Schüler von der Schule in die Arbeitswelt und die Konfliktbewältigung. Offene Angebote: Schülertreffs und Veranstaltungen Offene Angebote sind vor allem Schülertreffs, Schülercafes oder Ähnliches, die für alle Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Zeiten offen stehen und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu treffen, sich auszutauschen, ihre Freizeit zu gestalten, eventuell kleine Mahlzeiten oder sogar ein Mittagessen einzunehmen, sich von den Anforderungen des Unterrichts zu entspannen und das zu tun, was ihnen Spaß macht. Ein Schülertreff ist das niederschwelligste Angebot der Schulsozialarbeit. Er schafft die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler in informeller Weise mit dem Schulsozialarbeiter beziehungsweise der Schulsozialarbeiterin Kontakt aufnehmen können, um vielleicht Alltagsbegebenheiten oder auch mal Schwierigkeiten in der Schule, von Zuhause oder mit Freunden zu erzählen. Hier können Anknüpfungspunkte und Vertrauen für spätere Beratungen entstehen. Jungen und Mädchen finden hier eine Möglichkeit, sich außerhalb der Unterrichtszeiten in der Schule aufzuhalten, die tagsüber keine Eltern zu Hause antreffen und die sich ansonsten nicht selten ohne Ziel und Beschäftigung auf dem Schulhof herumtreiben. Schülercafes können ein Element flexibler Ganztagsbetreuung an den Schulen sein, die keine Ganztagesschule im üblichen Sinne sind. Sozialpädagogische Gruppenarbeit Sozialpädagogische Gruppenarbeit umfasst in der Schulsozialarbeit ein breites Spektrum:
Während bei den freizeitpädagogisch orientierten Gruppenangeboten die Interessen und Wünsche der Schüler nach gemeinsamen Aktivitäten und Erlebnissen den Ausgangspunkt bilden, verfolgen die Schulsozialarbeiter bei der sozialen Gruppenarbeit im Sinne einer erzieherischen Hilfe in erster Linie das Ziel, bestimmten Schülern bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten mit gruppenpädagogischen Methoden zu helfen. Gute sozialpädagogische Gruppenarbeit kann auch dazu beitragen, dass der Bedarf an individueller Beratung durch die Schulsozialarbeit sich in zu bewältigenden Grenzen hält, indem typische und allgemein verbreitete Probleme und Fragen junger Menschen in Gruppen behandelt werden. Die sozialpädagogische Gruppenarbeit im Rahmen der Schulsozialarbeit beinhaltet:
Immer mehr gewinnt auch die sozialpädagogische Arbeit mit ganzen Schulklassen an Bedeutung. Beispiele für Angebote der Schulsozialarbeit für ganze Schulklassen sind:
Beratung in individuellen Problemsituationen Die individuelle Beratung kommt zustande, indem
Folgende Themen für individuelle Beratung und Hilfe werden in den Berichten der Schulsozialarbeiter immer wieder genannt:
Resümierend lassen sich der Schulsozialarbeit folgende Aufgaben zuordnen:
3. Das Bild von der Muschel Schule ist der staatlichen Organisation, der Verwaltung von Unterricht und Kultus zugeordnet. Der Staat finanziert das pädagogische Personal, das in der Regel Lehrkräfte sind. Sachmittel werden bezuschusst, sind aber in der Regel Aufgabe des Schulträgers, d.h. der Gemeinden, bzw. der kommunalen Verbände. Schulsozialarbeiter sind demnach kein "pädagogisches Personal", sondern "Sachmittel", für die finanziell die Kommunen zuständig seien (Diese Situation wird kritisch im Bayerischen Staatsanzeiger Nr.1 von 2001 dargestellt). So entsteht die Situation, dass zwar von "allen" Seiten die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit bestätigt wird, die finanzielle Ausstattung jedoch zwischen den beiden Ministerien hin und hergeschoben wird. Jugendhilfe ist grundsätzlich in Trägerschaft der Kommunen. Die Jugendsozialarbeit an Schulen, so wird Schulsozialarbeit von Seiten des Bayerische Sozialministeriums benannt ist in § 13 Abs. 1 SGB VIII rechtlich verankert. Der Frankfurter Lehr- und Praxiskommentar zum KJHG schreibt in der Randziffer 6 des § 13, die Probleme von Kindern und Jugendlichen aus Familie und sozialem Umfeld seien heute sehr vielfältig und begleiteten sie überall hin mit, so dass die Probleme auch in der Schule aktuell blieben. Damit benötige Schule Unterstützung von der Jugendhilfe, um diese Situation zu bewältigen. Deshalb befasse sich die Jugendsozialarbeit über ihre traditionellen Felder hinaus in den letzten Jahren zunehmend auch mit der Schule im Kontext von Schulsozialarbeit (Münder u.a. 1998, S. 173). Schulsozialarbeit ist eine Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule beispielsweise neben der Hortbetreuung. Diese Zusammenarbeit ist seit 1990 im KJHG und seit dem Jahr 1994 auch im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) gesetzlich geregelt. Nach Art. 31 Abs.1 BayEUG arbeiten die öffentlichen Schulen, in Erfüllung ihrer Aufgaben mit den Jugendämtern und den Trägem der freien Jugendhilfe sowie anderen Trägern und Einrichtungen der außerschulischen Erziehung und Bildung zusammen. Das KJHG besagt in seinem § 81 Nr. 1: "Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben mit anderen Stellen und Einrichtungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt, insbesondere mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung, im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse zusammenzuarbeiten". So assoziiere ich, geboren aus einer heftigen Diskussion mit einer Schulsozialarbeiterin, die Stellung und Position der SSA die eines Elementes von außen, das anfänglich vielleicht störend sich einbettet, umwoben und umworben wird, sich dadurch verändert, sich anpasst, wertvoller Störer wird und insgesamt der Muschel Schule ein anderes Gesicht gibt, angereichert, wertvoller, begehrter und doch schmerzt die Aufnahme das Vorhandene, wird erst im Laufe der Zeit liebgewonnenes Eigenes. Literatur Bayer. Staatsministerien für Unterricht und Kultus sowie für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Gesundheit: Gemeinsam geht's besser - Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe, München 2000 Frick, Siegfried: Kristallisationspunkt einer neuen Schule: Sozialarbeit; in: Die Schulleitung, Heft 4/1994 Hentze, J. (u.a.): Schulsozialarbeit mit Gütesiegel!?, Hamburg 1998 Hollenstein, E./ Tillmann, J.: Schulsozialarbeit, Studium, Praxis und konzeptionelle Entwicklungen, Hannover 1999 Homfeldt, H.G./ Schulze-Krüdener, J.: Schulsozialarbeit: eine konstruktiv-kritische Bestandsaufnahme; in: neue praxis 1/2001 Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern: Materialien zur Schulsozialarbeit 1990-1999 Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern: Schulsozialarbeit - eine Erfolgsbilanz, Stuttgart 2000 Schweizer Berufsverband Soziale Arbeit SBS/ASPAS: Sozia Aktuell; Nr. 7/2002: Schulsozialarbeit, Sozialministerium Baden - Württemberg, Az. 42-6972-1: Eckpunktepapier "Jugendsozialarbeit an Schulen", Stuttgart, 13. August 1999 Autor Prof. Dr. Hubert Jall lehrt an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern. |