| SGB VIII - Online-Handbuch
herausgegeben von Ingeborg Becker-Textor und Martin R. Textor |
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| Aus: Die Grundschulzeitschrift 1989, 3 (28), S. 30 - 36 (überarbeitete Fassung)
Von der Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Hort und Schule Ingeborg Becker-Textor
"Der Hort, das Stiefkind im sozialpädagogischen Arbeitsfeld" - so jedenfalls die Meinung vieler Horterzieherinnen und Hortleiterinnen bei einer Fortbildung für Mitarbeiter aus Kinderhorten. "Nur weil zwei oder drei Kinder meiner Klasse einen Hort besuchen, soll ich mich intensiver mit diesem Bereich befassen?" so die Aussage einer Lehrerin bei einer gemeinsamen Fortbildung für Lehrer und Horterzieher. Horterzieher beklagen, daß sie sich in ihrer Arbeit alleingelassen fühlen, in der Fachberatung ebenso wie bei Fortbildungsangeboten. Für viele Lehrer ist der Hort noch immer eine pädagogische Randerscheinung, von der sie ab und zu betroffen werden. Aber im Hort gehört das Wort Schule zum Alltag von Kindern und Erziehern Der Hort Ein Hort ist eine Tageseinrichtung für Kinder im Anschluß an die Unterrichtszeit in der Schule (§§ 22, 24 SGB VIII). Überwiegend wird der Hort von Grund- und Hauptschülern besucht, nur in wenigen Fällen von Kindern, die eine weiterführende Schule besuchen. Häufig melden auch ausländische Eltern ihr Kind im Hort an, da es die deutsche Sprache verbessern und Fortschritte in seinen Sprachleistungen machen soll. Der Anteil der schwierigen Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen und Teilleistungsschwächen nimmt zu. Eltern und Lehrer erhoffen sich eine Verbesserung für das Kind, das Elternhaus und die Schule. Bericht einer Lehrerin an einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt: "Wenn es hier keinen Hort gäbe, dann würde kaum ein Kind die Schule erfolgreich abschließen. Könnte ich entscheiden, jedes meiner Kinder müßte den Hort besuchen. Die Hortkinder sind die einzigen Kinder in der Klasse, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Bei den anderen..." Eine Mutter: "Ich habe keine Lust, mich auch noch um die Hausaufgaben zu kümmern. Ich zahle für den Hort und verlange dafür, daß mein Kind problemlos durch die Schule kommt". Es wird geschätzt, daß heute ca. ein Drittel der Kinder im Hort mit einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen und ca. 50 % der Kinder aus Problemfamilien kommen. Im begrenzten Umfang übernimmt der Hort Funktionen, die üblicherweise in der Familie wahrgenommen werden, z.B. Mittagessen, Betreuung und Hilfe bei den Hausaufgaben, Aufbau sozialer Kontakte, Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung, usw. Häufig wird die Ansicht vertreten, daß im Hort in erster Linie Kinder aufgenommen werden sollen, die ein familienergänzendes und -unterstützendes Angebot brauchen. Auftrag und Ziele des Hortes Der Hort hat einen eigenständigen sozialpädagogisch orientierten Erziehungsauftrag. Er soll den Kindern in ihrer individuellen Situation Möglichkeiten und Anreize zur Entwicklung ihrer gesamten Persönlichkeit bieten. Primäre Aufgabe des Hortes muß sein, "leben zu lernen": Ängste, Freude, Erlebnisse, Schmerz, Entdeckungen, Erfahrungen müssen verarbeitet und verwertet werden, Freundschaften gepflegt. "Arbeitet der Hort entsprechend bedürfnisintensiv, situativ, erlebt der Lehrer am Vormittag arbeitsfähige, aufgeschlossene Kinder" (vgl. Arbeitspapier "Kooperation Schule und Hort", Stadtjugendamt Nürnberg). Grundsätzlich haben Hort und Schule gleiche oder ähnliche Bildungsziele, jedoch mit einer anderen schwerpunktmäßigen und methodischen Umsetzung. Der Hort darf nicht zum verlängerten Arm der Schule werden, d.h. konkret, daß Hausaufgaben nicht zum Mittelpunkt der Hortarbeit werden dürfen. Sicher kann die Erledigung der Hausaufgaben aus dem Aufgabenbereich des Hortes nicht ausgeblendet werden. Die Erzieher geben den Kindern individuelle Hilfen, wo sie notwendig sind. Reinen Nachhilfeunterricht kann und soll der Hort nicht geben! Zur altersgemäßen Förderung von Hortkindern gehört es, daß sie das Leben im Hort mitgestalten und mit entscheiden können, wie sie ihre Freizeit verbringen wollen, welche Projekte durchgeführt werden sollen usw. Hortkinder benötigen ausreichend Raum und Zeit, um eigene Aktivitäten zu entwickeln, zu phantasievollem Spiel, für Sport, Werken und verschiedenste Unternehmungen. Will der Hort den Bedarfslagen der Kinder wirklich gerecht werden, so muß seine Arbeit ihren Platz im Gemeinwesen finden. Die Kinder haben dann die Möglichkeit, Angebote und Einrichtungen im Stadtteil oder in der Kommune zu nutzen, wie dies auch Kinder tun können, die keinen Hort besuchen. Wolfgang, ein 10-jähriges Hortkind, definiert Auftrag und Ziel des Hortes: "Also ein Hort, da geht man nach der Schule hin. Da ist immer jemand da. Da bekommt man ein warmes Essen und macht seine Hausaufgaben. Das wichtigste ist aber, daß man jemanden zum Reden hat. Wenn es einem nicht gut geht, wenn man die Hausaufgaben nicht verstanden hat und, wenn man daheim Ärger hat. Die Erzieherin bei mir im Hort, die geht auch mit mir mal heim, bei ner schlechten Note oder so. Die ist prima. Ich mag die richtig!" Die Rolle der Erzieherin/des Erziehers im Hort Auf einer Fortbildung für Hortleiter/innen beschrieb eine Erzieherin ihre Rolle: "Man erwartet von mir, daß ich Mutter, Therapeutin, Eheberaterin, Allround-Lehrer für neun Jahrgangsstufen und verschiedene Schultypen, Nachhilfeinstitut, Freizeit-Animateur, Hausfrau, Werklehrerin, Seelentröster, Erziehungsberaterin, Sozialerzieherin, Verwaltungskraft, Vorbild, Gesprächspartner, Vermittler, Krankenpflegerin, Ernährungsfachfrau, Putzfrau ... usw. bin. Manchmal halte ich es nicht mehr aus, weil so viele Erwartungen an mich gestellt werden. Ich glaube, ich höre auf, im Hort zu arbeiten, aber ..." Auf die Frage, wer denn alle diese Erwartungen an sie stelle, berichtet sie: "Die Schule: Lehrer empfehlen den Eltern schlechter Schüler den Hort und erwarten sich eine Besserung der Kinder. Schwierige Kinder sollen im Hort 'zurechtgebogen' werden... Die Eltern: Sie schieben alle Verantwortung für Hausaufgaben auf den Hort. Sie vertreten den Standpunkt, daß der Hort, für den sie ja einen Beitrag entrichten, aus ihrem Kind ein braves, ordentliches, anpassungsfähiges, kluges Kind macht. Die Kinder: Sie kommen mit allen ihren Problemen, weil sie sich im Hort wohl fühlen und wir guten Kontakt zueinander haben. Sie hoffen, daß wir vermitteln zwischen ihnen und den Eltern oder auch zwischen ihnen und der Schule. Der Träger/Arbeitgeber: Der Hort muß funktionieren, alle Plätze müssen besetzt sein. Möglichst nur der gesetzlich vorgeschriebene Personalschlüssel wird genehmigt. Feste, Basare etc. zur Behebung des Kostendefizits werden erwartet. Wir spüren kaum Verständnis für unsere pädagogische Arbeit. Die Öffentlichkeit: Im Hort, da werden die 'asozialen' Kinder sozialisiert. Der Hort sei eine überflüssige Einrichtung, in der in erster Linie die Hausaufgaben schlechter Schüler kontrolliert werden ..." Eine wirklich spezifische Vorbereitung für Mitarbeiter im Hort gibt es nicht. In der sozialpädagogischen Ausbildung an Fachakademien oder Fachschulen für Sozialpädagogik steht noch viel zu sehr der Bereich des Kindergartens im Vordergrund. Die Fortbildung für Mitarbeiter in Horten muß noch weiter ausgebaut werden. Es arbeiten engagierte Erzieher im Hort, die sich besonders für diese Altersstufe interessieren und sich die notwendigen pädagogischen und methodisch-didaktischen Grundlagen mehr oder weniger selbst erarbeitet haben. Trotz all der vorgenannten Erwartungen und Schwierigkeiten gibt es im Hort den geringsten Personalwechsel im gesamten sozialpädagogischen Arbeitsfeld (regionale Befragung hei Hortleiterinnen). Pädagogische Felder in der Hortarbeit Insbesondere Eltern und Lehrern sind die pädagogischen Felder im Bereich der Hortarbeit mit all ihrem Handlungsspielraum nicht bewußt. So bietet der Hort "Bereiche" für die erzieherische Arbeit und das soziale Lernen: bei den Hausaufgaben, beim Mittagessen, im Freizeitbereich, in der Arbeit mit den Eltern. Wolfgang: "Die im Hort, die sagen nicht immer gleich, daß man blöd sei, oder in der Schule nicht aufgepaßt hätte. Mein Vater brüllt daheim immer gleich los. Im Hort, da gibt es eine Hausaufgaben- und eine Spielzeit. Das ist dann wie eine Belohnung und man freut sich schon drauf. Der Klaus ist im Rechnen viel besser, der hilft mir. Wenn es bei mir schneller ginge, dann tät ich auch den Kleinen helfen... Toll ist auch, daß es immer richtiges Essen gibt, nicht bloß ein Brot. Daheim bei uns wird nie warm gekocht. Am Anfang im Hort, da hatte ich immer Angst, daß ich nicht genug kriegen könnte. Aber das Essen reicht für alle. Es gibt sogar meistens eine Nachspeise." Elternarbeit im Hort ist nicht immer einfach, da davon ausgegangen werden muß, daß alle Eltern sehr stark im Berufsleben eingespannt sind. Dies bedeutet, daß für die Arbeit im Hort ganz besondere Formen der Elternarbeit gefunden werden müssen, z.B. gemeinsame Unternehmungen mit Eltern und Kindern am , gemeinsames Abendessen nach einem Hort- und Arbeitstag - es wird mit den Kindern vorbereitet -, gemeinsamer Sportabend mit den Vätern... u.ä. Eltern sind die Partner des Hortes in der Erziehung der Kinder. Ein ständiger Kontakt ist wichtig. Zusammenarbeit von Hort, Elternhaus und Schule Kinder, die den Hort besuchen, leben in drei verschiedenen Lebensbereichen: Familie, Schule und Hort. Diese Lebensbereiche müssen aufeinander abgestimmt werden, nur dann ist die bestmögliche Förderung der Kinder zu erreichen. Dazu ist eine intensive Kooperation und ein regelmäßiger Austausch zwischen Hort, Eltern und Schule erforderlich. Es gibt kaum Regelungen zur Zusammenarbeit von Hort und Schule, lediglich einige Empfehlungen. Diese enthalten teilweise die Aufforderung zur Zusammenarbeit beider Einrichtungen, damit pädagogische und organisatorische Fragen von den pädagogischen Fachkräften gemeinsam beraten werden können. Teilweise wird auch ausdrücklich vermerkt, daß im Hort Hausaufgaben zur Befriedigung von Kindern, Eltern und Lehrern erledigt werden sollen. Soweit bereits eine Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen besteht, gehen bisher die Initiativen meist vom Hort aus. Dies begründet sich im Problemfeld der Hausaufgaben, die während der Hortzeit gemacht werden müssen. Nicht selten sind die Hausaufgaben die Ursache für Spannungen, weil sie die sozialpädagogischen Aufgaben des Hortes sehr stark eingrenzen. Soll der Hort positive Arbeit leisten, so ist daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Hort dringend notwendig. Die Kooperation zwischen Hort und Schule muß immer auch die Eltern mit einbinden. Soll es zu einem regen Austausch kommen, so brauchen sie aus datenschutzrechtlichen Gründen die Zustimmung der Eltern. Ansonsten dürfen offiziell keine Informationen über das Kind oder seine Familie ausgetauscht werden. Nicht selten wird auch beobachtet, daß Hort und Schule gegeneinander "ausgespielt" werden. So empfiehlt es sich, daß Elternsprechstunden grundsätzlich von Horterzieherinnen und Eltern gemeinsam in der Schule besucht werden sollten. Schreibt man dem Hort die Aufgabe zu, daß er die Erziehung in der Familie ergänzen soll, so braucht die Horterzieherin das Wissen über die Erziehung im familiären Raum. So wäre es sicher auch vorstellbar, daß für Horteltern ein Elternsprechtag im Hort durchgeführt wird. Die Lehrer sollten dann im Hort anwesend sein, die Kinder können von einer Mitarbeiterin des Hortes betreut werden. So kann es zu Gruppengesprächen zwischen Horteltern, Lehrern und Horterziehern kommen, aber auch zu Einzelgesprächen. Wichtig ist, daß gemeinsam pädagogische Schritte und Möglichkeiten zum Wohl der Kinder überlegt werden. Kooperationsmodelle Hort - Elternhaus - Schule Hort und Schule tragen Verantwortung für eine altersspezifische Förderung und Erziehung des Kindes. Beide Institutionen haben jedoch unterschiedliche Ausgangslagen, z.B. hinsichtlich ihrer historischen Entwicklung, ihrer Organisationsform und ihres pädagogischen bzw. sozialpädagogischen Auftrags. Daraus ergibt sich, daß Formen der Zusammenarbeit zwar festgelegt und empfohlen, nicht aber einheitlich durchgeführt werden können. Vielmehr sollen Erzieher und Lehrer ihre Kooperationsformen den jeweiligen örtlichen Verhältnissen anpassen. Die gemeinsame Konferenz: Hort und Schule stellen fest, mit welchen Einrichtungen aufgrund des jeweiligen Einzugsgebietes eine Zusammenarbeit erforderlich und möglich ist. Der Anlaß zu einer gemeinsamen Besprechung kann die Einschulung des Kindes bzw. der Lehrerwechsel sein. Es ist günstig, wenn sich zu Beginn des Schuljahres alle Lehrer (in deren Klassen Kinder den Hort besuchen) und das Team des Hortes zu einem Gespräch im Hort treffen würden. Bei diesem Treffen können die Vertreter der Schule grundlegende Informationen über den sozialpädagogischen Auftrag des Hortes erhalten und gleichzeitig auch die begrenzten Möglichkeiten, die der Hort im Hinblick auf Hausaufgabenhilfe hat, erfahren. Die Elternsprechstunde: Da der Horterzieherin seitens der Eltern häufig die Verantwortung für schulische Leistungen und Hausaufgaben angelastet wird, besuchen sie nicht mehr die Elternsprechstunde der Schule. Hier ist es notwendig, daß Gespräche mit allen an der Erziehung Beteiligten regelmäßig stattfinden. So ist ein gemeinsames Bemühen, Termine für die Elternsprechstunde zu finden, unerläßlich. Es ist nötig, daß Eltern, Horterzieherin und Lehrer sich zu gemeinsamen Gesprächen treffen. Nur so lassen sich Mißverständnisse abbauen und vor allem für das Kind bestmöglichste Hilfen aufzeigen. Bericht einer Horterzieherin: "Die meisten Eltern können untertags nicht zur Sprechstunde in die Schule. Bei uns bieten die Lehrer für die Eltern von Hortkindern die Sprechstunde zweimal im Jahr im Hort an. Die Kinder bleiben an diesem Tag länger im Hort und wir bieten den Eltern - von den Kindern vorbereitet - einen kleinen Imbiß an. Die Kinder können noch spielen. Währenddessen finden gemeinsame Gespräche zwischen uns, den Eltern und den Lehrern statt." Gegenseitige Hospitationen und Besuche von Erziehern und Lehrern: Damit die Zusammenarbeit sich erfolgreich gestalten kann, sind gegenseitige Besuche oder Hospitationen von Erziehern und Lehrern äußerst wichtig. Der Lehrer muß bei seinem Besuch im Hort das Umfeld seiner Schüler nach der Schule kennen- und entdecken lernen. Gleichzeitig wird er die Schwierigkeiten wahrnehmen, die sich durch die relativ große Hortgruppe und die gleichzeitige Anwesenheit der Schüler aus den verschiedenen Jahrgangsstufen ergeben. Der Erzieher aus dem Hort kann bei seinen Besuchen in der Schule die Entwicklung der Kinder beobachten, aber auch die Unterrichtsformen und die praktische Umsetzung des Lehr- und Lernstoffs kennenlernen. Solche gegenseitigen Besuche sollten mit der Schulleitung und dem Träger des Hortes abgestimmt werden. Besuche Schulkindern im Hort: Nicht selten werden Kinder, die den Hort besuchen, von ihren Mitschülern als Hortkinder negativ abgestempelt. Um bei den Mitschülern mehr Interesse und Verständnis für den Hort zu wecken, sollten hin und wieder auch Schulkinder oder die Schulklasse den Hort besuchen. So lernen die Klassenkameraden die Einrichtung kennen und können einen ersten Eindruck über die Hortbetreuung gewinnen. Wolfgang: "Ich wollt gleich wieder raus aus dem Hort. Da waren welche in meiner Klasse, die haben immer Hortbubi hinter mir hergerufen und, daß ich wohl keine Mutter hätte, zu der ich nach der Schule könnte. Aber meine Mutter muß doch arbeiten. Mein Vater ist schon tot und meine Mutter hat gesagt, daß die Rente nicht reicht. Verwandte von uns wohnen nicht hier, Ich hab das mal unserer Frau R. im Hort erzählt, weil es nämlich anderen auch so ging. Frau R. hat gemeint, daß wir mal überlegen sollten, was wir machen könnten. Und dann haben wir beschlossen, daß wir an einem Freitagnachmittag die ganze Klasse einladen, auch unsere Lehrerin. Alle haben sich den Hort angeschaut, und wir haben gespielt. Die haben vielleicht gestaunt. Wenn es noch Plätze gäbe, dann wollten jetzt noch mehr Kinder in den Hort. Aber erst dürfen die kommen, bei denen es nötig ist, so wie bei mir". Unterrichtsgestaltung und Lehrpläne: Es ist auf alle Fälle eine Erleichterung in der Zusammenarbeit, wenn sich Lehrer und Erzieher im Hort über den Inhalt der Lehrpläne und die speziellen Klassenlehrpläne aussprechen können. Für die Horterzieherin ist es von Bedeutung zu erfahren, welche Inhalte den Kindern im jeweiligen Schuljahr vermittelt werden und welcher Methoden sich der Lehrer bedient. Gleichzeitig wird der Lehrer erfahren können, welche Möglichkeiten für die Bewältigung der Hausaufgaben dem Hort zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang ist auch die Absprache über die Länge der Hausaufgabenzeit empfehlenswert. Dem Lehrer muß deutlich werden, daß der Horterzieher nicht Nachhilfelehrer für alle Klassen sein kann, und daß für eine gelungene Horterziehung ein sinnvoll gestalteter Freizeitbereich dringend notwendig ist. Zusammenarbeit mit den Eltern: Eltern muß die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort deutlich werden. So kann auch das Vertrauen zwischen Familie, Hort und Schule gestärkt und gemeinsam das Bestmögliche zum Wohl des Kindes beigetragen werden. Beratende Funktion der Horterzieherin hinsichtlich Fragen des Schulübertritts bzw. der Ausschulung: Die Horterzieherin hat Gelegenheit zu langfristiger Beobachtung und kennt im allgemeinen den Entwicklungsstand eines Kindes sehr gut. So kann sie bei wichtigen Entscheidungsfragen des Schulübertritts in die Sonderschule, weiterführende Schule u.a. beraten. Die Eltern der Hortkinder sind im Regelfall mit den Hausaufgaben der Kinder kaum vertraut, so daß eine Beratung durch die Horterzieherin ersatzweise notwendig wird. Fortbildungsveranstaltungen: Den staatlichen Schulämtern und den Verbänden sollte empfohlen werden, zu Fortbildungsveranstaltungen mit einschlägigen Themen auch die Pädagogen aus dem Hort bzw. der Schule einzuladen. Solche gemeinsamen Veranstaltungen können die Kooperation nur verbessern. Besonders wichtig sind dabei Veranstaltungen zur Einführung des neuen Lehrplans, zu Änderungen im Aufbau des Erstunterrichts u.ä. Bericht über eine gemeinsame Fortbildung von Horterzieherinnen und Lehrern: "Die Teilnehmergruppe setzte sich aus 14 Horterzieherinnen und 16 Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Erstere waren freiwillig und aus Interesse zu der Veranstaltung gekommen, während letztere von ihrem Rektor oder Schulrat geschickt wurden. Die mehrtägige Fortbildung wurde geprägt durch ein prozeßhaftes Geschehen. Auf der Heimfahrt saß ich mit einer der teilnehmenden Lehrerinnen im Abteil. 'Ich wollte nicht zu der Veranstaltung. Ich habe nur 5 Hortkinder in meiner Klasse. Die Hortnerin habe ich auch erst jetzt auf der Fortbildung kennengelernt. Aber, was sie so berichtet hat und was Sie uns vermittelt haben, das hat mich doch sehr betroffen gemacht. Ich sehe den Hort und meine 5 Hortkinder jetzt mit ganz anderen Augen'." Vorüberlegungen zum Start in eine Kooperation: Nun möchte ich Sie als Lehrer oder auch als Erzieher direkt ansprechen. Vielleicht sind Sie jetzt motiviert, die Kooperation mit der Schule bzw. dem Hort aufzunehmen. Bevor Sie nun den Schritt in Ihre "Nachbareinrichtung" tun, möchte ich Sie bitten, sich mit folgenden Fallbeispielen gedanklich oder im Rollenspiel mit Kollegen zu beschäftigen: a) Die Eltern hatten sich bei der Horterzieherin beschwert, daß trotz Hort (und so hohem Beitrag) ihr Kind Claudia in der Schule nicht besser wird. Das letzte Zeugnis ... Die Elternsprechstunde des Klassenlehrers wurde von den Eltern nicht besucht. Auf Initiative der Horterzieherin kommt es nach mehreren Anläufen zu einem Gespräch ... b) Peter schwänzt immer wieder Schule und Hort. Lehrer und Horterzieherin planen gemeinsam einen Hausbesuch und führen diesen dann durch ... c) Christiane ist total verschüchtert, wenn sie aus der Schule kommt. Das dreiköpfige Team des Hortes bespricht diesen Fall und beschließt, mit dem Klassenlehrer von Christiane zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen ... d) Klaus ist das "schwarze Schaf" in der Hortgruppe und der Schulklasse. Die Horterzieherin bespricht diesen Fall mit dem Klassenlehrer und einem Fachlehrer. Gemeinsam wird ein Handlungsplan entworfen ... Und jetzt gute Fahrt in Ihre Kooperation Hort und Schule! |